Wieviel Einwohner haben die USA?

Diese einfache Frage stellte der Lehrer für Amerikanische Geschichte in der ersten Stunde. Großes Schweigen im Klassenzimmer; anscheinend wussten die 16 bis 18-Jährigen nicht, wieviel Menschen in ihrem Vaterland wohnten. Langsam, aber sehr zurückhaltend, wurden erste Schätzungen herausgerufen. Sieben Millionen? Vierzig Millionen oder doch dreihundert? Als ich dann die damals aktuelle Zahl von 230 Millionen sagte, und der Lehrer erlöst zustimmte, umgab mich Staunen in der ganzen Klasse.

Ein für mich selbstverständliches, zur Allgemeinbildung gehörendes, Grundwissen galt plötzlich als Besonderheit. Der Fairness halber muss man allerdings erwähnen, dass »nur« die letzten drei Schulstufen in dieser Klasse vertreten waren, und sie immerhin nicht New York für die Hauptstadt hielten, sondern mit einer verblüffenden Sicherheit Washington nannten. Bevor allerdings mit dem eigentlichen Stoff – der amerikanischen Geschichte – begonnen wurde, musste zuerst die Lage der USA geklärt werden. Die USA grenzt im Westen an den Pazifik, im Süden an Mexiko, östlich an ....

Offensichtlich konnte man ein grundsätzliches geographisches und demographisches Wissen über das eigene Land (über die wichtigen Staaten auf der Erde wäre bereits zuviel verlangt, oder nicht?) in der Oberstufe nicht vorauszusetzen.

In den Privatschulen war das Niveau für »amerikanische Verhältnisse« überdurchschnittlich. In den öffentlichen Schulen hingegen musste in der ersten Stunde die Lage des Bundesstaates (in diesem Fall Arkansas) geklärt werden, bevor der Lehrer mit dem Unterricht begann.

RM