Themen:
Unterrichtsinhalte
Einfluss von Kirchen, Glaubensgemeinschaften
Blick auf Deutschland
Nach den etablierten Kirchen und Juden haben die Zeugen Jehovas bereits ihre Anerkennung als Körperschaft Öffentlichen Rechts in Deutschland errungen, die Mormonen sind dabei, dito die Muslime. Letztere scheiterten bislang daran, dass kein zentraler Ansprechpartner vorhanden und unklar ist, welches Frauenbild beispielsweise vermittelt werden solle.
Aber schon will Niedersachsen an der Universität Osnabrück Imane ausbilden lassen, und schon hat ein Berliner Schüler einen Gebetsraum in seiner Schule erzwungen. Und es geht gleich weiter: der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland verlangt, dass alle Schüler an einem muslimischen Feiertag, vorzugsweise dem Opferfest zu Ende des Ramadans, schulfrei haben sollten.
Der Zentralrat der Muslime setzt nach: ein solcher Tag müsse zwar (noch?) nicht arbeitsfrei sein, aber als deutscher Feiertag gelten. Die Konkurrenz schießt gleich gleich am selben Tag hinterher (haben die sich alle verabredet?): schulfrei für alle Kinder an einem jüdischen Feiertag fordert der Zentralrat der Juden. Und weil ein Schulterschluss mit der Konkurrenz mehr Erfolg für beide verspricht, befürwortet er auch die gerade erwähnte Forderung der Muselmanen. Die Einführung solcher Feiertag beweise Respekt und Toleranz gegenüber anderen Konfessionen.
Weiter geht´s: Das Land Baden-Württemberg beschließt nicht nur ein "Kopfgeld" von über 750 Euro pro Mitglied der jüdischen Gemeinden, zusätzlich zu allen anderen Geldern, die schon fließen, sondern auch, dass jüdische Kinder an ihren Feiertagen schulfrei haben. Wann werden die anderen dasselbe fordern? Das kann zum einen eine Menge kosten, zum anderen einen wunderbar durchlöcherten "Schulkalender" erzeugen.
Wo ist das Kopfgeld für Leute, die nicht an Jungfrauengeburten und Himmelfahrten glauben, sondern denken können und daher anständige Atheisten sind?
Letztlich geht es allen Konfession, allen Kirchen oder Glaubensgemeinschaften um zwei Dinge, nämlich um:
- die Anerkennung als Körperschaft Öffentlichen Rechts und damit um den Zugriff auf staatliche Pfründe durch Steuern, Subventionen etc.
- die Verankerung ihrer Lehren an Hochschulen und Schulen durch Religionslehrerausbildung, Religionsunterricht, Schulbücher, Mitbestimmung in den Rundfunkräten, bei Kindersendungen, in den Hochschulen u.ä. - letztlich um gesellschafliche Einflussnahme in allen Bereichen
Eine teuflische Falle - und nur wegen mangelnder Trennung von Staat und Kirche - weil alle Götter selbstverständlich ihre eigenen Rücksichten sowie Einfluss fordern werden. Man kann nicht das Kopftuch verbieten, wenn das Kreuz geduldet wird. Das machen die Verfassungsrichter nicht mit.
Statt also einen klaren Trennungsstrich zu ziehen, lässt die Politik immer mehr Religionsgemeinschaften Einfluss in der Schule - und im gesellschaftliche Leben - gewinnen, wo sie ihre Ansprüche stellen werden. Selbst wenn die gerade erwähnten Fälle erstmal Versuchsballons wären - sie werden ihre Forderungen stellen.
Um diese Trennung zu verwirklichen, müssten aber die beiden großen Kirchen aus den Schulen bugsiert werden, und das will und kann (?) die Polik nicht. Das Eisen ist zu heiß. Vermutlich wollen auch viele Eltern das nicht. Man ist ja "tolerant" und "Wer weiß, wozu das gut ist ...?"
Blick auf Frankreich
Arte zeigte unlängst einen Film über den Säkularismus in Frankreich, wo Schule, Gesellschaft und Konfessionen der Verfassung strikt nach getrennt sind. Religionsunterricht wird nur an Privatschulen erteilt.
Allerdings gibt es auch hier vermehrt Vorstöße, die Trennung aufzulösen.
So wurde in einer nordfranzösischen Stadt ein besonderer Badetag nur für Musliminnen in einem öffentlichen Schwimmbad eingerichtet, wobei dann auch noch alle Fenster verklebt wurden.
Eine Schule in Lyon strich alle Fleischgerichte in der Schülerkantine, weil die autochtonen Schüler von den muslimischen als "Schweinefleischfresser" gemobt wurden.
Ebenfalls am Beispiel von Lyon wurde gezeigt, dass muslimische Männer die Behandlung ihrer Frauen und Mädchen durch Ärzte in den Krankenhäusern unter Gewaltandrohung unterbinden wollen. "Lieber soll sie bei der Geburt sterben, als dass ein Arzt ...." Das sei dann eben Allahs Wille.
In Cannes verlangten die Vorsitzenden der jüdischen bzw. muslimischen Gemeinde jeweils einen Tag im Monat, an dem jeweils für ihre Glaubensrichtung typische Gerichte ausgegeben werden sollten - und zwar an alle! Es gilt dasselbe wie oben: das beweise Respekt und Toleranz.
Blick auf Italien
Religionsunterricht ist im Zug der Konkordatsrevision von 1984 nicht mehr Pflicht. Zwar wird die katholische Religion an öffentlichen Schule unterrichtet, aber die Note darf nicht mehr beim Abitur gewichtet werden.
Grund: mit dem Besuch des Religionsunterrichts würden die Schüler zusätzliche Punkte einheimsen können, was Schüler anderer Glaubensrichtungen nicht könnten. Es finde also eine Diskriminierung statt. Ein interessantes Argument. Zudem verhält es sich auch so, dass auch hierzulande viele Schüler den Religionsunterricht nur deshalb besuchen, um sich eine gute Note zu holen.
Folge: da die Religionslehrer nicht zur Schlussnote des Abiturs beitragen könnten, hätten sie auch kein Recht zur Teilnahme an der Lehrerkonferenz.
Im November 2009 entschied der Europäische Gerichtshof, dass die in Klassenräumen üblichen, aber nicht vorgeschriebenen, Kruzifixe abgehängt werden müssen, da Schüler, die zwangsweise die Schule besuchen, vor staatlichen Glaubensbekundungen zu schützen seien. Anfang 2011 erfolgte dann ein Rückzug. Man hatte kalte Füße bekommen ...
Blick auf Spanien
Religionsunterricht wird erteilt, ist aber freiwillig. Niemand kann stattdessen zu einer Art Ethikunterricht vergattert werden, denn der ist eh Pflichtfach. Die Religionsnote geht weder in den Zeugnisdurchschnitt ein noch ist sie versetzungsrelevant.

