Wo studieren?
Allen, die bereits nach dem Pflichtschulalter die High School verlassen, dürfte dieses System keine großen Probleme mit sich bringen, obwohl große Lücken in der Allgemeinbildung spürbar sind. Für jene allerdings, die auf dem Bildungsweg weiterschreiten und studieren wollen, entstehen die Probleme spätestens beim staatlich normierten Test für den Zutritt zur Universität (natürlich auch College; der Übergang zwischen diesen zwei Einrichtungen verläuft fließend).
Selbstverständlich bekommt jeder US-Bürger einen Studienplatz. Allerdings auf welcher Uni? Geld spielt dabei eine geringere Rolle, da auf den teueren, privaten Universitäten Studienbeihilfen großzügig vergeben werden, so dass die Hälfte aller Freshmen (sozusagen die Erstsemestrigen) von Zuschüssen profitieren.
Die besten Universitäten kosten auch ca. 19.000 $ jährlich und zusätzliche 6.000 $, wenn man auf dem Studiengelände ("Campus") wohnen möchte.
Um die verschiedenen High-School-Abgänger, die sich hinsichtlich Gegend, Staat, familiären Hintergrund und soziale Schicht extrem unterscheiden, klassifizieren (eigentlich selektieren) zu können, sind für den Zugang zu allen Universitäten entweder der ACT- oder der SAT-Test abzulegen. Diese beiden Tests prüfen hauptsächlich Mathematik und Englischkenntnisse.
Der Vorteil, in einem wohlhabenden Bezirk aufgewachsen zu sein und daher eine gute öffentliche Schule oder sogar eine Privatschule besucht zu haben, macht sich nicht nur früh bei den Schülern bemerkbar, sondern setzt sich beim Abschneiden bei den Eingangsprüfungen für die Universitäten fort. Ob jemand eine bestimmte Universität besuchen darf oder nicht, hängt hauptsächlich von den erzielten Punkten bei einem der beiden Tests ab.
Es erübrigt sich, weiter auszuführen, dass die Arbeitgeber in der Wirtschaft stark auf den Universitätsabschluss der einzelnen Absolventen achten.
Zusammenfassend sei noch einmal die Ursache-Wirkung-Beziehung stark vereinfacht dargestellt: Grundsätzlich existiert Chancengleichheit unabhängig von Herkunft, Rasse, Religion und sozialer Schicht. Abhängig von der sozialen Schicht genießt der einzelne zwangsweise ein unterschiedliches Maß an Bildungsqualität, da sich die meisten keine Privatschule leisten können.
Der Bildungsgrad zwischen Schülern, deren Familien eine gute Privatschule finanzieren können, und solchen, die eine öffentliche Schule besuchen müssen, beginnt bereits in der Grundschule auseinanderzudriften. Der Unterschied verstärkt sich durch einen staatlichen Test bei der Auswahl der Universität. Am Ende eröffnen sich zwei vom Gesetz gleich gestellten Personen ganz unterschiedliche Bildungschancen.
RM

