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Was machen Kaukasier in Amerika?

Schöne Schädel zwecks Staatsbürgerschaft

Wer ein offizielles US-Formular ausfüllt, stolpert häufig erst einmal bei der Frage nach der Rassenzugehörigkeit über den ungewohnten Begriff Caucasian, der für europäische Ohren reichlich merkwürdig klingt.

Der Ausdruck geht auf den deutschen Anthropologen Johann Friedrich Blumenbach zurück, der um 1800 Schädelformen untersuchte und zu dem Schluss kam, dass die Kaukasier mit "der nach den europäischen Begriffen von Schönheit musterhaftesten Schädel- und Gesichtsform" Stamm- oder Mittelrasse aller anderen Rassen sei, die sich durch die Anpassung an andere Klimazonen und Landschaften aus dieser entwickelt hätten, mit den zusätzlichen Rassentypen mongoloid, äthiopisch, amerikanisch und malayisch.

Auch wenn Blumenbach in dem Zusammenhang von "Degeneration" sprach, ist davon auszugehen, dass er die Entwicklung nicht als Verschlechterung, sondern lediglich als Abweichung von der Ursprungsform ansah. So legte er sich nämlich mit rassistischen Tiraden seiner Kollegen an, beispielsweise des Frankfurters Samuel Thomas von Soemmerring, der Schwarze als eine den Europäern unterlegene Menschenart betrachtete, oder des Göttingers Christoph Meiners, der die Rassenunterschiede als Rechtfertigung zur Sklaverei benutzte.

Wie aber gelangte der Begriff in die offizielle Amtssprache der Vereinigten Staaten?

"'Caucasian' is a conventional word of much flexibility" heißt es in einer Erklärung des Obersten Gerichtshof im Präzedenzfall U.S. v. Bhagat Singh Thind (1923), bei dem einem Inder aus dem Punjab, und in der Folge allen Asiaten, die Zugehörigkeit zur weißen Rasse und damit alle zughörigen Privilegien abgesprochen wurde.

Hintergrund des Rechtsstreits war eine Zusatzbestimmung des Einbürgerungsgesetzes (Section 2169, Revised Statutes), laut der lediglich die folgenden Personengruppen ein Recht auf Einbürgerung hatten: freie weiße Ausländer und Ausländer afrikanischer Herkunft.

Kaukasisch, ein Ausdruck, der den frühen Siedlern noch völlig unbekannt war, der sich aber aus unerfindlichen Gründen Ende des 19. Jahrhunderts im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzte, sei nicht gleichbedeutend mit Weiß, argumentierte das Hohe Gericht. Es sei eben ein "flexibles" Wort, das sich je nach Wunsch wie ein Kaugummi in die eine oder andere Richtung ziehen bzw. einordnen lasse. Und nach allgemeiner Auffassung sei die Bedeutung weit enger zu fassen als von wissenschaftlicher Seite vorgegeben. Die Bevölkerung verbinde mit der Rassenbezeichnung "kaukasisch" lediglich einen Weißen vom europäischen Typ.

Das Gericht sprach sich "aus praktischen Gründen" dagegen aus, die Rassenzugehörigkeit an einer wissenschaftlichen Theorie über Ursprung und Verwandlung verschiedener Rassentypen festzumachen. Stattdessen sei der Status quo anzuwenden - besaßen die als Kaukasier Beschriebenen ähnliche Merkmale und Attribute? Das Gericht entschied im Fall Bhagat Singh Thind abschlägig; so sei die Rassenverwandtschaft zwischen einem blonden Skandinavier und einem dunkelhäutigen Hindu nicht augenfällig: "the average man knows perfectly well that there are unmistakable and profound differences between them today" - dem Durchschnittsamerikaner fielen also die unverkennbaren und tiefschürfenden Unterschiede gleich ins Auge. Damit revidierte das Gericht aber eine Position, die es drei Monate zuvor im Falle des Japaners Takao Ozawa vertreteten hatte, und in dem es genau die Wissenschaft zur Bestimmung der Rasse bemüht hatte. Nun aber war "Weißsein" das, was der Mann auf der Straße dafür hielt. Asiaten galten als unerwünscht. Sie seien zu unterschiedlich von den Weißen und würden nie werden wie diese. Das richtete sich besonders gegen die Japaner, die ihrer Geschäfte und ihres Landes beraubt, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges in Internierungslagern gefangengehalten wurden. Erst 1965 wurden die gegen Asiaten gerichteten Einwanderungsgesetzte abgeschafft.

"Bone of their bone, flesh of their flesh"

Die frühen Siedler, so das Gericht weiter, waren überwiegend von den britischen Inseln und aus Nordwesteuropa gekommen, nachfolgende Einwanderer auch aus Alpen- und Mittelmeergebieten. Eben diese Nationalitäten seien es gewesen, die die frühen Siedler bei Erstellen des Zusatzparagraphs § 2169 als "weiß" vor Augen hatten und eben diesen "free white men" hätten sie das Recht auf Staatsbürgerschaft gewähren wollen.

Dieser Gerichtsbeschluss verwehrte nicht nur den nun einreisenden Asiaten die US-Staatsbürgerschaft, sondern sprach sie auch rückläufig einer Reihe bereits eingebürgerter Asiaten wieder ab. Besonders hart traf es die in Kalifornien Ansässigen, da ein Gesetz von 1913 es dort allen Nicht-Staatsbürgern verbot, Land zu besitzen oder auch nur zu pachten.

Erst 1946 sprach der amerikanische Kongress, wohl mit dem wachsenden Bewusstsein, dass Indien sich als Wirtschaftsmacht zu etablieren begann, Indern das Recht auf Staatsbürgerschaft zu. Es sollte aber bis 1965 dauern und nur nach erneuter Änderung des Einwandergesetzes dazu kommen, dass die Migration aus dem südlichen Asien ins Rollen kam.

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