Massenflucht aus den Städten

Rette sich, wer kann!

Den Schwarzen, denen der Zugang zu den Vorstadtfestungen weiter versperrt wurde, blieb schließlich der öffentliche Wohnungmarkt,  "public housing market", Sozialwohnsiedlungen in den Zentren von Großstädten, auch "vertical ghettos" genannt. Zuwachs erhielten die Ghettos von den durch das Stadterneuerungprogramm, "urban renewal", heimatlos Gewordenen.
Um die Städte lebenswerter zu machen, wurden viele alte Wohnviertel plattgelegt und nur zu einem Zehntel als Wohnhäuser wiedererrichtet. Wie immer sind "Sanierungen" kritisch zu sehen, denn es geht vor allem um Immobilienspekulation. Die Flächen in den Innenstädten sind potentiell so teuer, wenn die Chemie stimmt, also die "richtige" Umgebung und Infrastruktur geschaffen sind, dass die Bevölkerung weichen muss. Die Leidtragende waren also wieder die Schwarzen, die gemeinsam mit den Latinos zwei Drittel der Vertriebenen ausmachten. Damit waren zum ersten Mal große Zahlen armer Farbiger an einem Ort versammelt und prägten so auch das Bild, das der weiße Amerikaner von ihnen hatte.

Erste Anzeichen von einem faireren System schienen sich in den Sechzigern anzubahnen, als der Ruf nach "fair housing for all" als Teil des "American way of life" immer lauter wurde und 1968 dazu führte, dass Präsident Johnson den "Fair Housing Act" unterzeichnete, mit dem rassistische Formulierungen aus der offiziellen Wohnungspolitik der Regierung entfernt wurden. Suburbia sollte nun auch Farbigen offen stehen!
Tatsächlich zogen in der Folge farbige Familien in Gebiete, die zuvor nur weiß gewesen waren. Die Folge? Rassenängste machten sich unter der weißen Bevölkerung breit, geschürt vom Eindruck der verarmten Ghettos und von gerissenen Immobilienmaklern, die die Häuser der flüchtenden Weißen wie in dem im Film gezeigten Roosevelt zu Schnäppchenpreisen erstanden und überteuert an farbige Familien losschlugen. Die Massenflucht der Weißen, auch "blockbusting" genannt, führte zu einem (finanziellen) Verfall der Viertel. Die Häuser waren auf einmal nicht mehr so viel wert - wie es die FHA einst prophezeit hatte. Tatsächlich ist der sinkende Marktwert aber nicht auf den Zuzug der Farbigen zurückzuführen, sondern auf den Auszug der Weißen.

Rassismus mag zwar aus Angst vor oder Hass gegenüber Farbigen entstanden sein, aber er wird u.a. auch aus finanziellen Gründen gefestigt. Die Weißen wollten anderen Weißen zuvorkommen und für ihr Haus noch einen halbwegs guten Preis herausschlagen. So flohen sie in Scharen, und nahmen ihre Firmen und Geschäfte mit. Dadurch sank das Steueraufkommen der jeweiligen Viertel (schließlich floss noch immer das meiste Geld durch weiße Hände, und ein Großteil der farbigen Bevölkerung litt unter Arbeitslosigkeit), wodurch sich Schul- und Gemeindewesen verschlechterten. Vollends abgewertet wurden die Viertel dann, indem sie von offizieller Seite aus als legitime "Abladeplätze" sozial schwach gestellter Personen gesehen wurden.
Bedenkt man ferner, dass Darlehen noch immer nach rassistischen Gesichtspunkten vergeben wurden (Banken gewährten sie i.d.R. bei aufsteigenden Vierteln ("on the rise"), also weißen, und verweigerten sie häufig bei schwarzen bzw. farbigen Vierteln), so verwundert die heutige Lage der Schwarzen in den USA nicht.

Wie der Report 'The State of the Dream 2004' der Nonprofit-Organisation United for a Fair Economy (Gemeinsam für eine faire Wirtschaft) veranschaulicht, ist die schwarze Bevölkerung noch immer um ein Vielfaches schlechter gestellt als ihre weißen Mitbürger - angefangen bei der Arbeitslosigkeit, unter Schwarzen fast doppelt so hoch, bis zu den Einkommensverhältnissen. 1968, das Jahr, in dem der Fair Housing Act den Schwarzen zumindest im Bauwesen die gleichen Recht zusprach, entsprach ein Einkommens-Dollar für Weiße 55 Cent für Afro-Amerikaner - 2001 hatte die Differenz lediglich um zwei Cent abgenommen.

Das Problem ist, dass das weiße Amerika auf die Wertsteigerung seiner Immobilien angewiesen ist, denn mangels Förderungen wie hierzulande finanziert es damit die Ausbildung der Kinder und den Lebensabend. Es wohnt in einer Sparkasse, wie es in dem nachfolgend zitieren Film heißt. Auf diese Wertsteigerung erhält es Hypotheken und Kredite.

Quellen: RACISM IN AMERICA. WHO STARTED IT, Teil III und Teil IV, sehenswert sind natürlich auch die Teile I und II, wer hätt´s gedacht?

Kommentare

Blockbuster

Ground Zero - Bodennullpunkt

schon, dass jemand mal die Herkunft dieses Wortes erklärt, das doch in aller Munde ist.

Ich kenne auch eins: Ground Zero, also ehemaliger Standpunkt des World Trade Centers, das bekanntlich 2001 durch einen Mann namens Osama bin Laden in Schutt und Asche gelegt wurde. Wie konnte er das schaffen? 
Nun, er hatte eine gründliche terroristische Ausbildung genossen. Durch wen? Durch die USA. War er doch zum Kampf gegen die sowietischen Truppen in Afghanistan ihnen ausgebildet und finanziert worden.

Der ursprüngliche "Bodennullpunkt" lässt sich auf einer Wikiseite besichtigen. Es handelt sich um die Abwurfstelle der ersten Atombombe in Hiroshima, Japan. Zielpunkt war die gleich danebengelegene Brücke über den Fluss gewesen.