Themen: 

Formulare, Familienleben, Fotoalbum

So jetzt konnte es auch schon losgehen mit der ganzen Bewerbungsphase, die manchmal sehr langwierig ausfallen kann, doch im Prinzip ist das gar nichts im Vergleich zu der Auswahlphase des Veranstalters. Zunächst war nur ein kurzes Formular mit Adresse, Geburtsdatum, Landeswunsch, Aufenthaltsdauer auszufüllen – eben, um der Agentur einen kurzen Überblick zu geben.
Allerdings geht es danach erst so richtig los. Nach ein paar Tagen wurde mir schon ein ganzer Stapel von Formularen zugeschickt, die noch auszufüllen waren.
Los ging es mit einem Fragebogen über meine Interessen, Freizeitaktivitäten und mein Familienleben. Ich kann allen angehenden Austauschschülern nur raten, gerade diesen Teil besonders sorgfältig und vor allem ehrlich zu beantworten, denn anhand dieser Kriterien wird später die Gastfamilie ausgesucht, und es liegt ja wohl im eigenen Interesse, wenn diese besonders gut zu einem passt.

Danach musste ich eine Tabelle mit den schulischen Leistungen der letzten zwei Jahre ausfüllen und diese von meiner Schule bestätigen lassen. Anschließend musste ich meine Englischlehrerin bitten, einen Fragebogen über meine Persönlichkeit auszufüllen. Am besten sucht man sich einen Lehrer, der einen schon lange kennt. Es muss nicht zwangsläufig der Englischlehrer sein, obwohl es von Vorteil wäre.

Zum Schluss sollte der künftige Gastschüler eine Art kleines Fotoalbum anfertigen, in dem er seine Familie, Freunde und vor allem sich selbst vorstellt. Da gibt es aber eine ganze Reihe Dinge zu beachten, auf die ich hier auch hinweisen möchte, obwohl das die Veranstalter meist selbst tun. Doch dies ist eben sehr wichtig; der erste Eindruck ist ja bekanntlich der wichtigste.
Auf keinen Fall sollte auf den Fotos Alkohol zu sehen sein, also nicht unbedingt das Foto wählen, wo bei der Familienfeier zehn Flaschen Wein auf dem Tisch stehen. Das mag jetzt zwar komisch erscheinen, doch man darf nicht vergessen, dass die amerikanische Kultur eben anders ist als unsere, und diesen Fakt muss man akzeptieren und tolerieren. Kommt man damit von Anfang an nicht klar, sollte man sich überlegen, ob so ein Austauschjahr wirklich das Richtige ist.
Zudem sollte man sich auf den Fotos nicht zu leicht bekleidet zeigen. Insgesamt ist es wichtig, ein paar erklärende Worte zu den Fotos zu schreiben oder sogar eine kleine Fotostory daraus zu machen, der Kreativität sind fast keine Grenzen gesetzt. Man sollte eben nur, wie gesagt, die Landeskultur beachten.
Zugegeben, das Ganze bedeutet viel Aufwand, weil eben sorgfältig zu arbeiten ist.

Mit all den Unterlagen bewaffnet, ging ich zum Auswahlgespräch. Dabei traf ich auf einen Mitarbeiter der Organisation, ehemalige Austauschschüler und einige Mitbewerber. Im Prinzip ist das ein lockeres Gespräch zwischen allen. Es geht zum Beispiel um die Motivation jedes einzelnen, die Toleranz und den Umgang mit einer fremden Kultur.
Teilweise wird das Gespräch natürlich auf Englisch geführt. Ein bisschen vorbereiten sollte man sich also schon, doch am wichtigsten ist es, sich so zu geben wie man ist, ganz natürlich eben. Der geschulte Mitarbeiter und die Ehemaligen entscheiden dann praktisch, ob man geeignet ist, an dem Austauschprogramm teilzunehmen.
Außerdem mussten wir einen Brief an die Gastfamilie verfassen. Der wurde den bisher ausgefüllten Unterlagen beigefügt und an das Hauptbüro gesendet. Die Mitarbeiter dort entschieden über die Aufnahme in das Programm. Das Ergebnis des Auswahlgespräches spielte dabei eine wichtige Rolle.

Schon nach einer Woche erhielt ich meine Zusage mit dem Vertrag und dem Kostenplan. Jetzt war noch einmal Zeit, genau über die Entscheidung nachzudenken und erst dann mit den Eltern den Vertrag zu unterschreiben. Insgesamt sollte man natürlich die Familie in den Entscheidungs- und Bewerbungsprozess mit einbeziehen, das möchte ich an dieser Stelle sehr betonen.
Übrigens haben auch die Eltern in einem Teil des Auswahlgespräches die Möglichkeit, Fragen zu stellen, schließlich möchten sie ja versichert sein, wie ihr Kind vor, während und auch nach dem Aufenthalt betreut wird.