Hinrichtungen
Aufklärung vieler Irrtümer durch das Innocence Project
Siebzig Prozent der US-Bürger befürworten die Todesstrafe. Für viele Europäer eine unverständliche Einstellung, v.a. angesichts der hohen Zahl Unschuldiger, die in Amerika hingerichtet wird. Einige New Yorker untersuchen im "Innocence Project" juristische Irrtümer. So wurde mittels eines DNS-Tests die Unschuld von 241 Verurteilten festgestellt. Siebzehn von ihnen blieben dadurch von der Todesstrafe verschont.
Ein gutes Beispiel dafür, wie blind die Gerichtsmaschinerie urteilen kann, ist der Fall von Cameron Todd Willingham. Vor siebzehn Jahren wurde der damals 24-jährige Automechaniker zum Tode verurteilt, da er angeblich sein Haus in Brand gesetzt und dadurch seine drei Kinder getötet habe: die zwei Jahre alte Tochter und die einjährigen Zwillinge. Ursache war laut Staatsanwalt, dass die Kinder ihn beim Dartspielen und Biertrinken gestört hätten.
Willinghams Beteuerungen, er habe dieses Verbrechen nicht begangen, wurde kein Gehör geschenkt. Stattdessen glaubten die Geschworenen dem Gerichtspsychologen, der den Angeklagten zwar niemals gesehen hatte, der aber mutmaßte, dass die Poster von Heavy-Metal-Bands in seiner Wohnung ihn zu satanischen Taten bewogen haben konnten.
Bereits kurz vor der Vollstreckung des Urteils kamen erste Zweifel an der Schuld des Angeklagten auf. Ein Pyro-Wissenschaftler kam nach Durchsicht der Fotos und Unterlagen nicht auf die Meinung der Brandermittler, sondern hielt sie ebenfalls für zweifelhaft. Das wussten der Begnadigungsausschuss und der texanische Gouverneur, lehnten das Gesuch, die Hinrichtung zu verschieben, aber dennoch ab.
Fünf Jahre nach seinem Tod im Februar 2004 wurde der Fall von der Kriminalistischen Kommission in Texas erneut aufgerollt. Mit erstaunlichen Folgen: Laut dem Untersuchungsleiter hatten die damaligen Brandermittler wenig Ahnung von Feuer und den dadurch hervorgerufenen Verletzungen. Sie hatten nur persönliche Meinungen geäußert, denen jede solide wissenschaftliche Grundlage fehlte. Tatsächlich sei das Feuer nicht durch Brandstiftung entstanden sondern durch einen Unfall, z.B. durch eine defekte Stromleitung oder einen elektrischen Heizofen. Damit war Willinghams Unschuld erwiesen.

