Überladener Weihnachtsbaum
12. Dezember
Am Abend besuchte ich das Weihnachtskonzert der Schülerband. Zum zweiten Mal überraschte sie mich positiv durch ihr hohes Niveau.
Danach schossen wir unser Weihnachtsfamilienfoto, das in die Weihnachtsbriefe der Familie sollte. Traditionell verschicken Amerikaner zu Weihnachten Briefe mit Fotos an Verwandte und Freunde, in denen sie erzählen, was sich das Jahr über in der Familie ereignet hat. Eigentlich eine schöne Idee, nur eben höchst aufwendig, vor allem wegen der Länge der Briefe. Tammy saß an unserem einen ganzen Abend. Anschließend mussten noch das entsprechende Layout und die Fotos hinzukommen. Doch das Ergebnis hat sich gelohnt.
Hockeyfans in der Studentenkurve
15. Dezember
Super, wieder ein Hockeywochenende! Amanda und ich hatten dem schon die ganze Woche entgegengefiebert. Dieses Mal saßen wir in der Studentensektion der University of North Dakota, wo es schon etwas wilder zugeht. Dagegen verlaufen heimische Fußballbundesligaspiele geradezu langweilig.
An diesem Wochenende schmückten wir den Weihnachtsbaum, was mir früh vorkam, aber andere Länder, andere Sitten. Außerdem fand ich es komisch, dass wirklich der ganze Baumschmuck aufgehängt wurde. Überladen wäre noch freundlich ausgedrückt.
Die Außenbeleuchtung einiger Häuser fand ich ebenfalls interessant. Ich glaube sogar, man hätte einige dieser Häuser vom Mond aus sehen können.
20. Dezember
Heute besuchte der US-Senator von North Dakota, Dorgan, unsere Schule, eine spannende Sache. Wir Schüler hatten die Möglichkeit, ihm Fragen zu stellen. Diese Chance nutzte ich zur Erkundigung, was er so von Deutschland halte. Die Antwort fiel höchst diplomatisch aus, praktisch nichtssagend, doch das war nicht anders zu erwarten gewesen.
In American History meinte Mrs. Strand, ich hätte vielleicht erwähnen sollen, dass ich aus Deutschland käme. Das fand ich aber dumm, weil er dann nur Gutes gesagt hätte, was noch weniger seine Meinung widergespiegelt hätte.
Ansonsten wurden am letzten Schultag vor den zweiwöchigen Weihnachtsferien nur noch Videos angeguckt, wodurch der Tag recht schleppend verging.


Kommentare
Gefährliche Kerzen
Nicht Feuer und Flamme
Von einem Verleger wurde mir folgendes berichtet:
Die Übernahme eines Kinderbuches in Lizenz schien eine reine Routine zu sein, den schließlich hatte es schon mehrere Kooperationen mit dem amerikanischen Verlag gegeben.
Dann plötzlich ein Rückzieher. Warum? Der Weihnachtsbaum zeigte die bei uns üblichen richtigen Kerzen, Inbegriff von Gemütlichkeit und Feststimmung, keine elektrischen.
Das sei in Amerika unmöglich; das könnte man Familien nicht vermitteln, denn offene Flammen gölten als gefährlich und seien tabu, hieß es.