Rosa Zimmer

Von den weiteren drei Schlafräume war eines das von Susan und eines von Peter, meinen Gastgeschwistern, während das dritte Brigitt gehörte. Diese, damals zwanzig Jahre alt, lernte ich erst etwa zwei Monate nach meiner Ankunft kennen, da sie als Austauschschüler-Betreuerin (und selbst einst Gastschülerin in Schweden) ehemalige Austauschschüler in Europa besucht hatte.
Da sie nun abwesend war, bezog ich vorübergehend ihr Zimmer, ganz nach ihrem Geschmack in leichtem Rosa gehalten und mit weißen Möbeln ausstaffiert. Eine überraschende Farbmischung aber ich konnte damit leben. Am besten gefiel mir der große Ventilator an der Decke, der im Sommer bei geöffnetem Fenster gute Dienste leistete.

Das ganze Haus war vollklimatisiert, wie alle in unserer Nachbarschaft, ein Muss wegen hoher Temperaturen und Luftfeuchtigkeit, vor allem im Sommer. Dieser setzt eigentlich schon Anfang April ein und erstreckt sich bis Ende Oktober. Hier ist Alltag, was in unseren Landstrichen undenkbar wäre: Die Kosten für die Kühlung der Häuser betragen ein Vielfaches der Heizkosten.

Im nächsten Zimmer - später meine endgültige "Behausung" - wohnte während der ersten zwei Monate meines Aufenthaltes mein Gastbruder Peter. Die Wände, in dezentem Schwarz gehalten, ließen das Zimmer wesentlich kleiner erscheinen, als es in Wirklichkeit war. Die schon erwähnten bombeneinschlagähnlichen Zustände in Peters späterem Zimmer existierten auch schon hier. Nach der Rückkehr von Brigitt zog Peter dann in das größere Zimmer im unteren Stockwerk.
Das "spannendste" Zimmer gehörte Susan, wo die Einrichtung jede dritte Woche umgestellt wurde. Die Möbel wurden natürlich nach den jeweiligen Vorschlägen der Freunde herumgerückt. Die Energie, mit der Susan diesen ständigen Umbau vollzog, überraschte mich immer von neuem, da mir schon mein Umzug aus Brigitts Zimmer eine Anstrengung war.