Gesellschaft und Heer

Einige Kilometer nördlich von Little Rock befand sich die "Jacksonville Air Force Base", ein keineswegs bedeutender, aber doch nicht zu unterschätzender Luftwaffenstützpunkt. Dementsprechend stark war das Leben in Jacksonville von der Air Force Base geprägt.
Nach dem Vietnamkrieg, als die Wehrdienstpflicht in den USA aufgehoben und fast gleichzeitig das aktive Wahlrecht von 21 auf 18 Jahre gesenkt wurde (vorher durften Achzehnjährige zwar für das Vaterland kämpfen, aber die Politiker, die sie in den Krieg schicken, nicht wählen), musste das Militär umstrukturiert werden, um in der Bevölkerung mehr Sympathien zu wecken und ein attraktiveres Bild abzugeben.

Seit damals bringt der Militärdienst folgende Vorteile mit sich:
Verbilligte Einkäufe von Kleidung, Lebensmittel etc. auf der "Base" (Air Force Base, Navy Base oder Military Base). Kostenlose medizinische Betreuung nicht nur während des aktiven Militärdienstes, sondern auch anschließend in der Pension.
Auf zwanzig Jahre muss man sich verpflichten und kann danach bereits in Pension gehen. Allerdings reichen die Pensionszahlungen für die meisten nicht aus, um ein "angenehmes" Leben zu führen, so dass sie anschließend in anderen Bereichen weiterarbeiten.
Während der Militärzeit wird man auf verschiedenen US bzw. NATO-Stützpunkten im Ausland (in fast allen Ländern Westeuropas, Philippinen, Japan, Korea, Panama ...) stationiert.
Lebenslange, fast kostenlose Flugmöglichkeiten auf der ganzen Erde zwischen den US-Stützpunkten.

Statt des Verlierimages, das zumindest in Österreich allen beim Bundesheer Arbeitenden anhaftet, kann mit Sozialprestige und Anerkennung gerechnet werden. Alle diese Vorteile, vor allem aber auch der starke Patriotismus - so steigt in Krisen- und Kriegszeiten, wie dem Golfkrieg die Zahl der Rekrutierungswilligen sprunghaft an - sind ausschlaggebend dafür, dass bereits viele in der High School im Alter von 16 Jahren zum Militär gehen und ihre künftige Laufbahn dort planen. Welcher Jugendliche in den USA träumte nicht davon, ein Top-Gun Pilot zu sein und die Nation vor den bösen Feinden zu retten?

Selbstverständlich liefert die Filmindustrie in Hollywood immer wieder aufs neue Streifen, die eine Person im Krieg als Helden darstellt, und die damit den Krieg und das Sterben verharmlosen. Selbst die vom Regisseur als Antikriegsfilm intendierten Kinofilme dürften eher die gegenteilige Wirkung erzielen.

Um ehrlich zu sein, anfänglich konnte auch ich mich der Faszination des Militärs nicht entziehen, da ich durch einen Freund, der bereits im High School Alter zur Air Force ging, Zugang zu Teilen der AF-Base und zu den militärischen Einrichtungen hatte. Es wird der Eindruck vermittelt, zu einer ausgewählten Elite, zu etwas Besonderem, zum Retter der Nation zu gehören. Naturgemäß trägt auch die modernste Kriegsausrüstung, die fast immer "state of the art" darstellte, zur Anziehungskraft bei.

Doch die anfängliche Blendung schwand rasch. Als der Begeisterung eine notwendige Distanz wich, konnten die vielen kleinen, fast unerkennbaren Symbole, Propagandazeichen und versteckten Manipulationen erst erkannt werden. Ich betrachte die Notwendigkeit eines Militärs aus vollkommen anderen Augen, da ich Einwohner eines sehr kleinen Staates bin. Dass eine Großmacht, und vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika, ein Militär aus machtpolitischen Gründen benötigt, dürfte für die meisten selbstverständlich sein. Allerdings sollte auch eine gewisse Abgehobenheit, Distanz zu diesem Instrument der Macht existieren, und keine blinde Verherrlichung.

RM