Shoppen an den Crazy Days
Nach diesem weiteren ereignisreichen Tag brach mein erster Samstag in den Staaten an. Er versprach, ebenfalls aufregend zu werden.
Amanda musste arbeiten, und Gary hatte versprochen, einem Freund bei etwas zu helfen. Deshalb wollten Tammy, Andrew und ich den Tag nutzen, und zwar als Schnäppchenjäger. Es waren nämlich „Crazy Days“, ein unglaubliches Rabattfest. Allerdings habe ich es mir nicht so verrückt vorgestellt. Oder könnte sich jemand in Deutschland vorstellen, dreißig Paar Levi´s aus einem Laden zu schleppen? Und ich dachte, ich sei verrückt nach Klamotten!
Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wo wir angefangen haben; ich habe es nicht einmal am Abend in mein Tagebuch geschrieben. Meine Vermutung ist, dass es „Whitmans“ war, ein Süßigkeitentempel und wohl Andrews Lieblingsgeschäft. Er kaufte gleich „Chocolatechippers“, schokoladenüberzogene Chips, mit denen ich mich nie wirklich anfreunden konnte. Anschließend machten wir einen Stadtbummel Down Town Grand Forks, wobei wir unzählige Arbeitskollegen von Tammy trafen (sie arbeitete in der Krankenhausverwaltung). Ich wurde ihnen gleich vorgestellt, was unseren Aufenthalt in der Stadt um insgesamt mindestens zwei Stunden verlängerte.
Danach ging es zu Amandas Arbeitsplatz „Home of Economy“, einer Ladenkette, bei der es alles Mögliche gibt. Von Tammy bekam ich als Willkommensgeschenk ein Addidashirt spendiert; es war wirklich unglaublich, wie toll ich aufgenommen wurde.
Amanda war schon zu Beginn des Tages total gestresst von den vielen Kunden. Ich wäre es an ihrer Stelle vermutlich noch viel mehr gewesen. Obwohl sich amerikanische Verkäufer von deutschen vor allem darin unterscheiden, dass sie wesentlich freundlicher sind.
Fastfood, Ausritt, Kirche
Natürlich mussten wir jetzt erst einmal zu Mittag essen. Wo geht man da hin in den USA? Natürlich in ein Fast-Food-Restaurant, in unserem Fall Burger King. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich ein Restaurant dieser Kette betrat, was Andrew sehr erstaunte. Für mich war das wohl der Anfang vom Ende; ich darf keinem erzählen, wie viel ich in den USA zugenommen habe. Mein Tipp an alle Austauschschüler in den USA: nicht so viel essen. Das ist mein Ernst, denn ich kenne niemanden, der als Gastschüler dort nicht zugenommen hätte.
Außerdem existieren in den USA unzählige Fastfoodketten, die es hier unbekannt sind, Hardys, Wendys, Taco Bell, A&W, um nur einige zu nennen. Figurbewussten kann ich Subway empfehlen, das gesundes Fast Food anbietet, wenn man das so sagen kann. Einige Filialen kennt man ja auch bei uns, zum Beispiel in Berlin am Alexanderplatz. Es ist auf alle Fälle einen Besuch wert, und gerade in den USA war ich immer gerne dort.
Vom Burger King ging es weiter auf unserer Tour. Insgesamt waren wir wohl überall und nirgendwo. Eine Supermarktkette beeindruckte mich besonders, nämlich „Sam´s Club“. Da gibt es alles in Riesenpackungen, für einen Europäer unvorstellbar. Tammy hat sich immer darüber gewundert, was ich daran so ungewöhnlich finde. Gut, sie selbst war noch nie in Deutschland.
Den Tag habe ich also mit Einkaufen verbracht. Als wir es schließlich nach Hause geschafft hatten und ich eigentlich schon total gestresst und fertig war, überredete mich Gary noch zu einem Ausritt. Na gut, ich hatte dann doch Lust.
Am Abend schaute ich mit der ganzen Familie Videos. Ich glaube, das stellt so den typischen amerikanischen Familienabend dar. Auf alle Fälle macht es Spaß, und ich hatte die Möglichkeit, alle besser kennenzulernen.
Der nächste Tag brachte mir den ersten Sonntag in den USA, was für mich einen Kirchgang bedeutete, denn meine Gastfamilie war streng katholisch. Obwohl ich das nicht bin, ging ich stets mit in die Kirche. Dies würde ich anderen Austauschschülern auch unbedingt empfehlen, ganz ohne Bekehrungsversuch. Es soll nur zeigen, dass ihr zur Familie gehört und ihren Lebensweg toleriert. Außerdem kann man da ja was über eine andere Kultur lernen, wozu man den Austausch auch macht.


Kommentare
Schutz des Burger vor dem Bürger
Cheeseburger-Gesetz
Durch obiges Gesetz ließ Bush 2005 die allgenwärtigen Burgerketten vor Klagen schützen.
Zur Begründung wurde vorgebracht, dass zwölf Millionen Beschäftigte von den Ketten abhängig und diese daher zu schützen seien.
Vom Verbraucher könne man Eigenverantwortung erwarten.
Fettleibigkeit und Bewegungsmangel bereits im kommenden Jahr das Rauchen als Hauptursache vorzeitiger Todesfälle in den USA ablösen. Einer anderen Studie zufolge hat sich die Größe der Hamburger in den USA seit Beginn der 80er-Jahre verdoppelt.
Was will man eigentlich erwarten, wenn das Frühstück gleich mit Spiegel- oder Rühreiern, Würstchen, Speck u.a. Kalorienbomben beginnt?
Dafür gibt´s dann wieder Schlankkeitsmittel, Diäten, Sport und Gesundheitslehre als Fach an der Schule.
Ernährung
Widersprüchlichkeiten
Wie ich dem amerikanischen Alltag entnehme, ergeben sich interessante Widersprüche. Zum einen gibt es riesige Burger (die in der Vielzahl gegessen dick machen) und zum anderen unzählbare Sportangebote. Sportangebote, von denen wir noch gar nichts gehört haben. Das geht los mit Fischen und anschließendem Grillen bis zum Kürbisweitwurf.
Dabei handelt es sich meistens um Kurse, die zu bestimmten Jahreszeiten an den Schulen angeboten werden. Bei manchen Sportarten benötigt man ein Attest des Arztes, da körperliche Einschränkungen die Teilnahme unmöglich machen würden.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es auch sehr viele Menschen in den USA gibt, die auf eine gesunde Ernährung und eine entsprechende Figur achten. Bei diesen Familien ist es auch so, adss sie abends gerne Chips essen oder Pizza bestellen. Aber sie ernähren sich ansonsten gesund und bewegen sich viel.