Tierische Begegnungen
Die folgenden Tage vergingen sehr schnell mit Schlafen bis jeweils 10 Uhr, Stadtbesichtigung, Ausflügen in die Umgebung und Sonnen an Deck.
Zum Schluss hatte ich dann den perfekten Sonnenbrand - ich hätte ohne weiteres als Heizkörper dienen können.
Einer der Höhepunkte der Reise war ein Wettessen zwischen Mr. Baxter und mir. In einem Frühstücksrestaurant nahmen wir an der "All You Can Eat for 4,95 $"-Aktion teil und machten uns geschlagene drei Stunden lang über ein Frühstück her. Am Ende einigten wir uns auf ein Unentschieden. Allerdings konnte Mr. Baxter problemlos zu Abend essen, während ich jegliche Regungen in dieser Richtung auf den folgenden Tag verschob.
Einen weiteren Glanzpunkt bereiteten mir Susan und ihre Freundin Lindsey. Am zweiten Tag weckten sie mich eigentlich noch mitten in der Nacht, also gegen 8 Uhr, da das Boot angeblich zu sinken drohe. Tatsächlich hatten sie irgendwie die elektrische Wasserpumpe eingeschaltet, und das Wasser floß aus dem Wasserhahn. Aber es floß nicht, wie gewöhnlich, in das Waschbecken, sondern auf den Flur, da die Mädels aus unerklärlichen Gründen die Holzabdeckplatte des Beckens nicht wegnahmen. Nach kurzer Suche fand ich den Schalter und stellte die Pumpe ab.
Warum die Mädchen mich weckten, verstand ich allerdings nicht ganz, da ich von der ganzen Sache genauso viel bzw. wenig Ahnung hatte wie sie. Nach so viel Aufregung war natürlich wieder ein "All You Can Eat"-Frühstück notwendig.
Am Donnerstag setzten wir die Reise entlang der Golfküste fort. Nach etwa zwei Stunden Autofahrt trafen wir an einem wegen Hochwassergefahr auf hohen Stelzen gebauten Wochenendhaus in einer Bucht in der Nähe der Stadt Biloxi, Mississippi, ein. Kurz nach der Ankunft fand man Mr. Baxter bereits auf dem Wasser in einer als Segelboot titulierten Nussschale. So richtig gut wurde die Sache natürlich erst dann, als ich mich auch in das Bötchen begab, wir zu zweit das ganze Boot ausfüllten und die Wendemanöver spannend wurden. Als ich dann aber ein krokodilähnliches Wesen auf der gegenüberliegenden, mit Schilf bedeckten Insel ins Wasser kriechen sah, stellte sich das Gefühl ein, dass ein erfolgreicher Kenterversuch doch nicht so witzig werden würde.
Wenig später, als ich trotz des Sonnenbrandes am Wasserrand in der Nachmittagssonne saß, bekam ich weiteren "tierischen" Besuch, allerdings ohne schlechte Absichten. Neben mir aus dem Wasser blickte eine braune Schlange, etwa einen halben Meter lang, die sich der gleichen Beschäftigung widmete wie ich. Obwohl sie nicht unbedingt unsympathisch war, zog ich es vor, die "natürlichen" Begegnungen für diesen Tag dabei bewenden zu lassen.
Am Nachmittag besuchten wir die Küstenstadt Biloxi und auch die Ruinen der einst teuren Villen am Rande des Golf von Mexico, die ein Wirbelsturm Ende der Zwanziger Jahre zerstört hatte.
Am nächsten Tag, dem 6. April, ging dann die Reise zurück nach Little Rock. Nach fast dreizehn Stunden Fahrt sanken wir schließlich gegen Mitternacht in die Betten.
Die Bilanz für mich waren fünf Mückenstiche, ein Sonnenbrand und Super-Ferien.

