Rassentrennung und Klassenprobleme

Rassismus, ein empfindliches Thema. Obwohl die verfassungsrechtliche Gleichstellung Rassenunterschiede aus rechtlicher Sicht aufgehoben hat, wäre es angesichts der Massenunruhen z.B. nach dem Rodney-King-Prozess in Los Angeles unsinnig zu behaupten, es gebe keinerlei solche Probleme in den USA. Allgemein wird hierbei gesagt, dass rassistische Denkweisen in den "Südstaaten" häufiger auftreten würden als im Norden. Auch der Freispruch O.J. Simpsons, ein offensichtlich rassistisch motiviertes Urteil - diesmal von der anderen Seite her, denn die Geschworenen waren alle Nicht-Weiße - hat die Kluft zwischen Schwarz und Weiß vertieft. Das letzte offensichtlich "weiß"-motivierte Urteil war das über einen Kennedy-Neffen, der von dem Vorwurf einer versuchten Vergewaltigung freigesprochen wurde.

Nun gibt es die Rassenproblematik, insbesondere Schwarz-Weiß-Konflikte, in der Ausprägung der Fünfziger Jahre nicht mehr, aber man merkt doch immer wieder, dass es Reibungspunkte gibt, besonders, wenn es um Sozialprogramme und Kriminalität geht. Grundsätzlich gilt, dass Highschools und Colleges ohne Rassenschranken zugänglich sind. Die Möglichkeit, den Zugang zu bestimmten Institutionen mittels hoher Studiengebühren zu steuern, bleibt zwar offen, aber angesichts der Vielzahl von Stipendien, der Studienfinanzierung durch die Armee etc. stehen auch hier Alternativen zur Verfügung.
Gerade in den Highschools ist man bemüht, für normale Verhältnisse zu sorgen und Rassendiskriminierung durch außerschulische Aktivitäten vorzubeugen. Ob diese Programme wirksam sind, kann man am besten an seiner eigenen Highschool ablesen.

Aus eigener Erfahrung merkt man heutzutage bei Jugendlichen einen friedlichen Status Quo. Es gibt viele Freundschaften, auch Freund-Freundin-Verhältnisse, quer durch die Hautfarben, aber man ist doch zumeist in seiner eigenen Gruppe. Es gibt zwar immer wieder auch radikalere Stimmen, aber die Verhältnisse bei Jugendlichen, mit denen Martin Luther King zu kämpfen hatte, finden sich nicht mehr.
Etwas anders sieht die Lage bei der älteren Generation der amerikanischen Mittelklasse, insbesondere im Süden, aus, der auch auf Grund des höheren Anteils an Schwarzen dort auch mal radikalere Töne (aber mehr im privaten Kreis) anschlägt. Hier findet man typische Vorurteile, die ganz klare Präferenzen bei Arbeitswillen, Zukunftsperspektiven, Kriminalität, Familienplanung und Bildung an Weiße verteilt. Dies mag zwar von Highschool-Schülern aufgenommen werden, aber Themen wie Freund / Freundin, eigenes Auto, Wochenende und Job spielen eine viel wichtigere Rolle.

Heutzutage werden langsam die abgeflauten Schwarz-Weiß-Konflikte von neuen Klassenproblemen überdeckt, die nicht mehr so leicht auf einen Dualismus festgemacht werden können. Neue Einwanderergruppen, insbesondere spanischer Abstammung, bieten neuen Konfliktstoff, wobei mittlerweile die Richtung auf Einwanderer, egal welcher Hautfarbe, Religion etc., gegen US-Amerikaner zeigt. Typische Beispiele sind hier die Probleme der USA mit mexikanischen, kubanischen und anderen mittelamerikanischen Einwanderern. Der dadurch bewirkte, verstärkte Abschottungswille der USA spiegelt auch die öffentliche Meinung wider. Trotzdem kann Amerikanern, besonders den jungen, eine weltoffene Einstellung nicht abgesprochen werden. Vorurteile und Angst vor Menschen mit unterschiedlichem Aussehen finden sich in jeder Nation. In den USA fehlt hier vielleicht in stärkerem Maße der aus Europa bekannte Nationalismus, da die amerikanische Nation eine sehr bunte Mischung ist.