Chancengleichheit in der Bildung?

Den USA haftet schon immer der Mythos an, das Land der großen Chancengleichheit zu sein. Diese, die jedem Leistungswilligen bzw. -fähigen die gleichen sozialen Aufstiegschancen ermöglichen soll, wird allerdings schon durch das Bildungssystem grundlegend untergraben.

Verschiedene Ebenen mischen bei der Vorgabe der Pflichtfächer mit. Einerseits die US-Regierung, dann die einzelnen Staaten, und schließlich die jeweilige Schule.
Die einzelnen Bundesstaaten erlassen nur unverbindliche Lehrpläne und legen allgemeine Regeln (z. B. das Schulalter) fest. Die eigentliche Verantwortung tragen die Gemeinden und Bezirke. An diese wurde herkömmlicherweise die Kompetenz der Bundesstaaten delegiert.

Eine Vorgabe von ganz oben ist beispielsweise, dass jeder Schüler in der High School US Government nehmen muss, also ein Fach über die Regierungsform in den USA, sowie US History. In Texas gibt es dann z. B. die zusätzliche Vorgabe, texanische Geschichte zu lernen. Vorgaben von der Schule befassen sich beispielsweise mit der Anzahl der naturwissenschaftlichen Pflichtfächer, die sich in manchen Fällen auf kümmerliche zwei beschränkt.

Die Regierung gibt bestimmte einheitliche Klausuren vor, die von allen Schülern bestanden werden müssen. Daraufhin legen die einzelnen Staaten und Schulen ihre eigenen Qualitätsanforderungen fest; eben gerade so hoch, dass ihre Schüler durchkommen. Sind zu viele Schüler durchgefallen, so werden den Schulen Gelder gekürzt.

Neben den offensichtlichen Problemen wie unterschiedliche Lehrinhalte (zwischen den Bezirken und Staaten), unterschiedliches Pflichtschulalter (überwiegend vom 6. bis zum 16., in einigen Staaten bis zum 15., 16. oder 18. Lebensjahr), bewirkt diese übertriebene Föderalisierung vor allem eine ungleiche Finanzierung der einzelnen Schulen. Augenfällig ist eine scharfe Trennung der einzelnen sozialen Schichten in Bezug auf die Wohngegend. Die Einwohner in einem gegebenen Bezirk werden in der Regel eindeutig einer bestimmten Einkommensklasse angehören. Höheres Steueraufkommen in den reicheren Gegenden führt zu einer besseren Ausstattung der Schulen dort und zu höherer Bildungsqualität, was Ungleichheit erhöht.

Auf diese Weise haben beispielsweise die Schulen in Chicago viel mehr Geld pro Schüler zur Verfügung als die Schulen im weniger besiedelten Süden von Illinois. Na, wenn das mal nicht ungleiche Bildungschancen sind!

Man darf aufgrund der eingeschränkten Schulwahl nur zwischen einer bestimmten öffentlichen Schule und einer Privatschule wählen, nicht jedoch zwischen verschiedenen öffentlichen Schulen. Das »Bussing«-System schreibt jedem eine bestimmte Schule vor, womit eine gleichmäßige Aufteilung von Schwarzen und Weißen in den Schulen erreicht werden soll.

Zwischen den einzelnen Schulen herrscht keine Konkurrenz, wodurch alle marktwirtschaftlichen Selektierungsmechanismen ausgeschaltet sind.
Der US Nobelpreisträger für Ökonomie, Milton Friedman, forderte übrigens den vollkommen Rückzug des Staates vom Bildungswesen, um nur den Markt herrschen zu lassen.

RM, aktualisiert