Klarkommen mit dem Rest der Welt

 Eine andere Amerikanerin, Bio- und Chemielehrerin, meint zu dem Artikel Fächerwahl:

Ich denke, es hängt auch vieles von der Schule und der Klassenstufe ab. Das Niveau schwankt stark.
Während des Studiums haben wir in einem Seminar tatsächlich eine Lehrmethode durchgenommen, die so ziemlich dem entspricht, was in dem anderen Artikel erwähnt wird, d. h. dass „bessere“ und „schlechtere“ Schüler gemeinsam unterrichtet werden sollten.
Demnach helfen die Schüler sich gegenseitig, d.h. der Schüler, der gut mitkommt, hilft dem mit Lernschwierigkeiten und prägt sich dadurch alles gleich viel besser ein, profitiert also auch davon. Dieses Prinzip wird eher in der "Elementary School", also der Grundschule, verwendet, meiner Meinung nach für diese Klassenstufen auch die einzige praktikable Lösung.

Als ich selbst noch die Schule besuchte, gab es gerade mal zwei Lehrerinnen für die fünften Klassen. Die Schüler wurden einfach in zwei Gruppen aufgeteilt, ohne die Leistungen zu beachten. Stehen nur zwei Lehrer zur Verfügung, so geht das nun mal nicht anders. In diesem Fall wäre die Einrichtung einer „guten“ und einer „schlechteren“ Klasse meiner Meinung nach kontraproduktiv – die Kinder sind ja nicht dumm, und stecken sie erst mal in der „schlechteren“ Klasse, so ist die Motivation, zu lernen und doch noch besser zu werden, gleich Null.

Auf der High School, also ab der achten Klasse, sollten die Schüler aber auf jede Fall nach Leistungen getrennt unterrichtet werden. Zu diesem Zeitpunkt sollten die „schlaueren“ Schüler in ihrem Lerndrang nicht mehr gebremst werden.

Ob das amerikanische Schulsystem seine Fehler hat? Definitiv! Ich weiß nur nicht, wie wir das gesamte System zum Besseren wenden und die Veränderungen ins Rollen bringen können, die notwendig sind. Die allgemein eher konservative Grundstimmung und ein Desinteresse an Bildung spielen eine große Rolle. Wahrscheinlich auch die amerikanische Arroganz – wir denken, unsere Kinder sollten nur soundsoviel Stunden pro Tag und soundsoviele Monate pro Jahr zur Schule gehen. Der ganze Sommer ist ja beispielsweise frei. Ich selber habe mich natürlich auch über die langen Sommer gefreut, aber wir dürfen uns am Ende nicht beschweren, wenn wir dann mit dem Rest der Welt nicht mehr mitkommen.

Das andere große Problem ist, dass wir nicht viel von den Schülern verlangen. Bis zum Schulabschluss wird nur eine Handvoll Pflichtfächer vorgeschrieben. So kann es vorkommen, dass ein Schüler nur eine Englisch- und Matheklasse nimmt und den Stundenplan ansonsten mit einfachen Klassen füllt, Freistunde wählt oder sogar nach Hause spaziert. Ich habe einmal an einer Schule unterrichtet, wo lediglich zwei naturwissenschaftliche Fächer während der gesamten Highschoolzeit vorgeschrieben waren – zwei!!!

Manche Schüler haben nie den Biologieunterricht besucht. Ist das auf unserer Welt nicht wichtig!? Und so verhält es nicht nur mit den Naturwissenschaften. Meiner Meinung nach sollte man gewisse Fächer auf jeden Fall durchnehmen müssen, auch wenn sie einem nicht liegen und der Kurs unter Umständen zu wiederholen ist.

Zuletzt möchte ich noch hinzufügen, dass ich Homeschooling, wobei die Kinder also daheim von den Eltern unterrichtet werden, dennoch nicht für den richtigen Weg halte. Nichts spricht dagegen, ihnen daheim noch zusätzlich etwas beizubringen, aber man sollte sie nicht einfach aus der Schule nehmen. Es geht dort doch um so viel mehr als nur um Bildung!

Kommentare

Schule

Wie ist denn die Resonanz auf solche Worte in einer Kleinstadt? Darf man Kritik laut äußern? Soll man lieber still sein? Werden die Kinder von kritischen Eltern in der Schule schlechter behandelt? Gibt es einen Trend oder eine Bewegung, die das Schulystem verändern will?

Die Politiker geben doch gern viel auf die Schule, wenn sie Wähler brauchen.