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Vermeide religiöse Fettnäpfchen

In den USA findet sich ein ganzes Sammelsurium an Religionen und religiösen Einstellung der Menschen. Es leben Mormonen, Christen, Freidenker und Zeugen Jehovas friedlich nebeneinander und bilden ihre Glaubensgemeinschaften. Niemand würde auf die Idee kommen, jemanden aufgrund seines Glaubens schief anzusehen, behaupten manche, was aber nach dem Anschlag aufs World Trade Center nicht mehr so sein dürfte.

Im Alltagsleben ist man immer wieder mit Frömmigkeit konfrontiert. Eine Gastschülerin schrieb:

Religion war so ein Punkt, über den ich überhaupt nicht nachgedacht hatte. Sie spielt in den USA eine ganz andere Rolle als bei uns. Ein Großteil der Jugendlichen in Amerika geht mit absoluter Begeisterung und regelmäßig zu Gottesdiensten. Als ich mindestens zehn SMS pro Tag mit Bibelauszügen bekam und aufgefordert wurde,
an einer „Prayer’s chain“ am Telefon mit zu beten, wurde es mir aber echt zu viel. Mein Tipp: Eher ein wenig Abstand halten zu extrem-gläubigen Teenagern, auch wenn sie anfangs sehr nett erscheinen.

An irgendetwas musst Du glauben. Punkt!

Schwieriger wird es, wenn man nicht glaubt, also vielleicht auch nicht nur Agnostiker ist, sondern Atheist. Das grenzt in diesem gottesfürchtigen Lande schon ans Azsoziale.

Diskussionen, wie wir sie kennen, ob zum Beispiel einzelne Glaubensgemeinschaften als Sekten einzustufen sind, werden in den USA nicht geführt. Denn: Wer kein Mitglied dieser Gruppe sein möchte, lässt es eben. Tiefgehende Nachforschungen über Zwangsmitgliedschaften, Leidengeschichten oder Ausbeutungen werden dort nicht publiziert.

Natürlich hat das auch Nachteile. Denn eine große Sekte, gegündet von ...kann sich in Amerika ungehindert ausbreiten und Mitglieder werben. Junge Leute werden auf der Straße angesprochen, um zu testen, wie weit sie ihr Denkpotential ausschöpfen. Das Ergebnis ist natürlich immer gleich, denn diese Vereinigung möchte wachsen. Dazu ködern sie interessierte Personen mit der möglichen Erweiterung ihres Denkvermögens, einer Bewusstseinserweiterung und einem zufriedeneren Leben. Dazu muss man der Vereinigung natürlich beitreten.
So ein massives und offenes Auftreten solcher Organsiationen steht man in Deutschland sehr kritisch gegenüber. Der Verfassungsschutz würde nicht lange stillhalten, wenn sich solch ein Werbungsbild zeigen würde.
Amerikaner würden diese diese Einmischung in die privaten Angelegenheiten, die wir "Fürsorge" nennen, jedoch scharf verurteilen.

Kommentare

Frommer Glaube

Beten macht glücklich

Na, ich weiß nicht. Vielleicht nicht offen schief ansehen, aber warum gab es denn bislang nur einen katholischen Präsidenten, Kennedy, nämlich? Der wurde auch deshalb nur Präsident, weil er in den Sechzigern besonders junge Amerikaner ansprechen konnte und einen gundlegenden Wandel versprach.
Und haben die Republikaner im Wahlkampf gegen Obama nicht versucht, einen Vorteil daraus zu ziehen, indem sie die Vorstellung nährten, er sei oder könne Muslim sein? Immerhin waren schließlich ein Drittel aller Amerikaner von dieser fixen Idee besessen - also ein voller Erfolg ihrer Kampagne. Die scheinen überhaupt alles mögliche zu glauben.
Hat das nichts mit "schief ansehen" zu tun? Interessant dazu finde ich Eure Artikel zur Gläubigkeit und zum Exzeptionalismus.

Was ist mit Zwangsmitgliedschaften gemeint? Etwas nicht die bei uns doch offenkundigen?
Existieren die denn nicht hier mittels Taufe? Wurde der Täufling jemals gefragt? Müssen Zwangsgetaufte denn hier nicht erst aktiv werden und ihre Zwangsmitgliedschaft kündigen, sofern sie dem Zwangsbeitrag - der obendrein auch noch vom Staat eingezogen wird - entfleuchen wollen?
Man stelle sich vor, jemand würde als Kind auf ähnliche Art zum Mitglied eines Fußball- oder Karnikelzüchtervereins befördert und sollte dann mit 18 Jahren kündigen müssen, um keinen Vereinsobolus entrichten zu müssen. Dies, obwohl nie aus eigenem Willen eingetreten! Was ist bei unseren Kirchen anders?

Was ist mit den Leidensgeschichten? Eine bekannte ist doch die von Tilmann Moser mit seinem Klassiker "Gottesvergiftung". Den erlebte ich im Mai 2009 im Collegium Sapientiae (ein "Kolleg der Weisheit"; sprich: kath. Studentenheim, Wo war sie nur, wo war sie nur, die Weisheit?) und referierte über "Heilende und krankmachende Aspekte von Religion". Der Mann ist fromm und Psychoanalytiker, therapiert Leute, Kranke, mit ähnlichen Leidensgeschichten wie in seinem Buch beschrieben. Ich kann versichern: der hat seine Psychoanalyse nicht zu Ende gebracht.

Was ist eine Sekte? "Secare", vom lat. "abschneiden" (Sektion, Sektor usw.) vermutlich, ist Teil eines Ganzen, etwas Abgeschnittenes, wobei die Größe doch weder eine Rolle spielt noch etwas über die Qualität aussagt.  Das "Abgeschnittene" kann der bessere aber auch der schlechtere Teil sein, der kleinere oder der größere.
Die heutige katholische Kirche hat sich aber von der bis dahin existierenen Kirche im 19. Jh. abgespalten. Sie ist eine Sekte. Warum? Der Papst erhob die Unfehlbarkeit zum Dogma, was die Altkatholiken nicht mitmachten - die Masse der Schafe aber schon. Denen war´s egal, und heute? Nun, wissen tun die das nicht.
Die Altkatholiken repräsentieren aber über 1900 Jahre christlich-katholischer Geschichte, sie dürfen eher Anspruch auf die "wahre" katholische Kirche erheben als die jetzige Kirche mit ihren nur rund 130 Jahren.

Warum überhaupt auf einmal das Dogma nach 1900 Jahren, wo die Kirche auch ohne auskam? Nun, der Vatikan wollte ein Zeichen gegen die Wissenschaften setzten. Wider Darwin, wider alle der Bibel widersprechende Erkenntnisse aus Biologie, Astronomie, Medizin usw.

Die Attraktivität der oben angesprochenen Scientologen liegt darin, dass sie im Grunde sagen: "Du bist selbst deines Glückes Schmied!", und nicht mit mittelalterlichem Knochengeklappere, Reliquien, Jungfrauengeburten, Himmelfahrten, Toten, die zurückkehren und ähnlichem Humbug und "Wundern" daherkommen, dies alles nach Vorstellungen nomadisierender Ziegenhirten von vor zweittausend Jahren, die Leuten, die am Computer arbeiten, im Leben rational handeln müssen usw., einfach nicht mehr vermittelbar sind.

Funktioniert das bei Scientology nicht so: erforsche dein Inneres - oder lass es uns mit dir erforschen - entwickle deine Persönlichkeit mittels Auditing und unserer Seminärchen, entfalte deine Kräfte durch Lektüre unserer tollen Bücher u.ä., und am Ende winken Glück und Erfolg?
Natürlich kostet die Chose eine Kleinigkeit. Ein geniales Konzept - und ein gefundes Fressen für Scientology! Ähnlich funktionieren ja viele Psychovereine.
Simpel gestrickte Gemüter bzw. psychisch Angeschlagene können natürlich ordentlich ausgenommen und abhängig gemacht werden. Aber gilt das nicht auch für die Konkurrenz auf dem Lebenshilfemarkt? Jedweder Glaubensrichtung?

Warum der Verfassungsschutz sich nicht um die Kirchen kümmert, nachweislich terroristische Vereinigungen, die Abertausende von Morde begangen haben, ist unbekannt.