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Vereinigte Staaten

Einfluss von Glaubensgemeinschaften

In den USA sind Schule und Kirchen strikt getrennt, daher gibt es auch keine Kirchenvertreter in den Bildungsgremien, Schulkommissionen o.ä. In Europa übrigens gilt dasselbe für Frankreich.
Nun haben aber grundsätzlich, über Jahrhunderte hindurch, Potentaten, konservative Regierungen und Kirchen immer miteinander gekungelt und einander unterstützt.
Bestes Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist das heute immer noch gültige Reichskonkordat von 1933, in dem Hitler zwar die Kirche als Institution schwächte, aber den Einfluss auf die Köpfe stärkte, die Stützung des Franco-Regimes, der Sturz der Regierung Salvatore Allendes in Chile, usw.

In den USA wäre eine Etablierung der Kirchen als staatstragende Kraft in den Schulen völlig unsinnig, weil die meisten Amerikaner eh religiös sind.
Es gibt kein frommeres Volk auf der Erde; für die Politik wäre das rausgeschmissenes Geld. Nur fünf Prozent glauben an keinen Gott. Das ist nirgendwo sonst der Fall, noch nicht mal in muslimischen Ländern.
Er ist im öffentlichen Leben allgegenwärtig, fortwährend erweisen ihm Politiker in ihren Reden ihre Reverenz, aber konfessionell undefiniert - wobei er vorzugsweise natürlich der der WASP (White Anglo Saxon Protestants) ist. In dem nachfolgenden Link zum "Sendungsbewusstsein" spricht der Autor von einer Zivilreligion.
Böse Zungen lästern, den Entwicklungsstand eines Volkes lese man nicht wie üblich an Energieverbrauch, Konsum, Bruttosozialprodukt, Ausgaben für Bildung o.ä. ab, sondern besser an seiner Gläubigkeit, zumindest was den geistigen Entwicklungsstand betreffe.

Die Aufgaben einer gesellschaftlichen Klammer übernehmen

  • Nationalismus bzw. Patriotismus,
  • Sport sowie ein gewisses
  • Sendungsbewusstsein, bekannt als "amerikanische Einzigartigkeit" (American Exceptionalism, Amerikanischer Exzeptionalismus)

Zurück zu den Konfessionen bzw. Religionen und Kirchen: Sie wären nicht nur überflüssig, sondern im Gegenteil äußerst heikel in einem Land, in dem alle Götter dieser Welt versammelt sind. Den Einfluss von Kirchen, Glaubensgemeinschaften, Sekten, Scientologen, Kreationisten usw. in der Schule als gleichberechtigte Lehren zu dulden, wäre hochexplosiv. Amerika ist auf Konsens und Harmonie angewiesen, und auch wir werden immer mehr darauf getrimmt, siehe den folgenden Link.

Man denke nur mal daran, dass sich selbst unter Muslimen Sunniten und Schiiten bekriegen. Ferner daran, welche Eiertänze bereits im allgemeinen gesellschaftlichen Leben aufgeführt werden müssen, um nur niemandes Gefühle zu verletzten (Politische Korrektheit, "political correctness").

Und das alles in der Schule?
Unterricht in Hinduismus, Buddhismus, Islam, Mormonentum, Baptismus, Presbyterianismus, Schamanismus,  `zig evangelistischen Ideologien, dazu Scientologen und Kreationisten? Jedem seine Feiertage, seine Speisevorschriften usw.?
Was kocht die Kantine? Wann verschwinden die muslimischen Schüler kurz mal aus der Schulstunde zwecks Verrichtung ihrer vorgeschriebenen Gebete, die ja auch feste Zeiten haben? Wo bitte, geht´s zum Schwimmbecken für muslimische Mädchen? Ja, wo zur Toilette für katholische Mädels?

Dies alles ist in den USA nicht möglich. Zwar wurden selbst die Scientologen als Kirche anerkannt, aber finanzieren müssen sie sich selbst. Keine Glaubensgemeinschaft hat direkten Einfluss in den Schulen.
Allerdings werden immer wieder Versuche unternommen, den Fuß in die Tür zu kriegen, angefangen mit dem berühmten Fall eines Biologielehrers in Tennessee 1925, John T. Scopes, der zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, weil er verbotenerweise die Evolutionstheorie Darwins gelehrt hatte. Das Urteil wurde erst 1967 aufgehoben.

Zwar prangt auf der Dollarnote: "In God we trust", er existiert ganz sicher, aber Götter in der Schule, nein! Darüber sind sich die meisten Amerikaner einig. Auf der anderen Dollarseite steht übrigens "Federal Reserve Bank". Ob die Amerikaner der noch nach den letzten Erfahrungen trauen?

Kommentare

Sport

Gemeinschaft stiften

Zu diesem Thema erschien gerade ein Beitrag in einem Wochenblatt, den ich mal zitiere. Er bezieht sich weder direkt auf die USA noch auf Sport allgemein, hat aber meines Erachtens allgemeine Bedeutung:

Der Fußball funktioniert als Spiegel der Gesellschaft. Am weitläufigsten verbreitet ist das Bild der Gladiatoren, heutzutage hochbezahlt, die den Massen ein Stück von dem geben, was im Alltag so oft fehlt: Identifikation mit einer Sache, gemeinsame Ziele, Kampf und Leidenschaft, der Hunger nach Siegen.
Der Fußball hat für alle gesellschaftlichen Schichten etwas zu bieten: Der Kampf im Mittelfeld erinnert an den unermüdlichen Fleiß als Tugend der Arbeiter. Trainer auf ihren Feuerstühlen huldigen dem Fluch der kleinen Angestellten, die im wirklichen Leben sonst nie den Kopf des Vorgesetzten fordern dürfen.

Freie Unternehmer fühlen sich auf ihrem Businessplatz wie die Gönner der Stars da unten auf dem Rasen. Für junge Snobs in der VIP-Lounge, den Maserati gleich hinterm Stadion geparkt, das Häppchen noch auf dem Backenzahn, ist es pure Lust, den Vereinsschal zu schwingen, als gehöre man zum Volk, natürlich mit der nötigen Dekadenz, die herabsieht aus verglaster Höhe.
Ja sogar die vergeistigten Akademiker, die den ästhetisch perfekten Pass in die Tiefe des Raums heben, nehmen am Spektakel teil. Manchmal, heute noch auf St. Pauli und früher beim SC Freiburg, nimmt gar die linke Szene das Ballspiel als Ausdruck von Kollektivkraft und Intelligenz wahr.
"Zeitung a. Samstag" ,14.11.2009