Themen: 

Verdammte Neger

The fucking nigger - "That god-damned mother-fucking nigger should piss off!"
Solche und ähnliche Sprüche von vielen verschiedenen Personen stellten keine Seltenheit dar. Die formal gesetzliche Gleichberechtigung der Schwarzen in den Südstaaten der USA wurde zwar durch den Civil War (Sezessionskrieg 1861-1865) von Präsident Lincoln, der seinen Kampf gegen die Sklaverei mit dem Leben bezahlte - ein fanatischer Südstaatler erschoss ihn in einem Theater - erreicht, doch die Vorurteile gegen die Schwarzen bleiben nach wie vor in den Köpfen vieler verhaftet. Nicht nur die ältere Generation, wie z.B. meine Gastgroßmutter, überraschte mit einigen rassistischen Parolen und Aussagen, nein, auch die Jüngeren hatten immer einen "flotten" abwertenden Spruch zum Besten zu geben.

Ein Schüler prahlte mit der Mitgliedschaft seines Großvater im K.K.K. (Ku Klux Klan, zehn Filmteile unter dem Link) und zeigte sich durchaus überrascht, dass es den in Österreich und Europa nicht gebe. Auch Begriffe wie "Nigger knocking" (Foto v. Thomas Shipp and Abram Smith in Marion, Indiana, 1930, die Red.) bleiben mir in Erinnerung. Freilich bringen die anhaltenden Vorurteile nicht nur eine Diskriminierung mit sich, sondern selbstverständlich viele eindimensionale, engstirnige Erklärungsschemata. Besonders meine Gastgroßmutter analysierte viele gesellschaftliche Probleme schnell und zielstrebig, erkannte das Übel von allem: die Schwarzen (drei Teile).

Um nicht einen falschen Eindruck zu vermitteln: Nicht alle Weißen in den Vereinigten Staaten sind Rassisten; wahrscheinlich haben die meisten Menschen eine durchaus offene, nicht von Vorurteilen geprägte Einstellung gegenüber Schwarzen. Auch die Einstellung von Jo Ann unterschied sich völlig von der ihrer Mutter.
Doch möchte ich behaupten, dass abfällige Behauptungen vor allem in den Südstaaten durchaus noch salonfähig sind. In Louisiana konnte ein republikanischer Gouverneurskandidat, der offen seine Mitgliedschaft im Ku Klux Klan zugab und dementsprechende Wahlparolen predigte, beachtliche Stimmenanteile erhalten.

Im Februar 1995 legte der Sonderbeauftragte der UNO, Glele-Ahanhanzo, Daten über die Ungleichbehandlung von Schwarzen im Gesundheitswesen, auf dem Wohnungsmarkt, bei der Arbeitsvermittlung, im Bildungswesen und im Strafrecht vor, die zeigen, dass die dreißig Jahre des Kampfes gegen Diskriminierung die Folgen der 300 Jahre Sklaverei nicht hatten aufheben können.

An den Daten über Kindersterblichkeit und Lebenserwartung werde deutlich, dass Weiße eine bessere medizinische Versorgung genössen als Schwarze oder Latino-Amerikaner. Auch Krebs- und Herzerkrankungen kämen häufiger bei schwarzen US-Amerikanern vor. Weiter beklagt der Sonderberichterstatter Unterschiede bei der Qualität der Wohnungen (drei Teile, hier Teil drei) und beim Unterhalt der Stadtviertel. Die offizielle Arbeitslosenrate liege bei 5,6%, doch seien bei von den Schwarzen 15,9% arbeitslos, von den schwarzen Jugendlichen gar 40%; bei den Latinos liege sie bei 17%. Glele-Ahanhanzo beklagte auch ein bestürzendes Ungleichgewicht in der Justiz. Für dasselbe Verbrechen werde der Angehörige einer Minderheit zweimal eher zu einer Strafe verurteilt, die im Durchschnitt dreimal so hoch sei wie die eines Weißen. Außerhalb der Südstaaten dürfte die Rassenproblematik allerdings eine untergeordnete Rolle spielen.

R.M.