Amerikanische Jugendliche und Politik

Wie weit sind amerikanische Jugendliche nun an Politik interessiert?
Grundsätzlich spielt politische Bildung an Highschools eine wesentliche Rolle (s. "Graduation-Vorschriften"). Es kann öfter als Hausaufgabe auftauchen, dass man einen Zeitungsartikel über ein innenpolitisches Thema bearbeiten muss, oder dass aktuelle wichtige Themen kurz in der Stunde angesprochen werden.
Allerdings versteht man unter staatsbürgerlicher Bildung in den USA weniger die direkte Erziehung zum sogenannten kritisch-mündigen Bürger, als vielmehr die Kenntnis von möglichst vielen Fakten, Namen, Jahreszahlen etc. Eine nachfragende Analyse von z.B. politischen Texten wird, falls überhaupt, äußerst selten verlangt. Das Interesse an Politik schwindet dann rasch. Hinzu kommt, dass die tagespolitische Information - auch mangels Nachfrage - in den Zeitungen zumeist vernachlässigt wird, so dass wenig Möglichkeiten bestehen, an meinungsbildende Hintergrunddetails heranzukommen.

Nun mag man fragen, woran ein vorgeblich politisch orientierter Jugendlicher, nachdem er die Frage des Wochenend-Rendezvous (Date), sowie der Finanzierung des Volltankens geklärt hatte, denn nun genau interessiert sei.
Das Wahlrecht wurde mit dem 26. Amendment (Verfassungszusatz) 1971 von 21 auf 18 Jahre gesenkt. Dieser Fakt wird in American Government auswendig gelernt, die wenigsten denken aber darüber nach, dass sie als "seniors" der 12. Jahrgangsstufe diese Voraussetzung oft erfüllen. Zahlen belegen, dass nur etwa 20 Prozent der Achtzehn- bis Vierundzwanzigjährigen an Wahlen teilnehmen.

Das erste Problem ist das komplizierte amerikanische Wahlsystem, das in den meisten Staaten ein "registration", also Einschreibung in eine Wählerliste, vorschreibt. Da mit Zeitaufwand verbunden, wird aufs Wählen oft verzichtet.

Zweitens hat man als Highschool-Schüler einfach wichtigere Dinge zu tun, als an Politik zu denken, denn das schulische Freizeit- und Veranstaltungsangebot bietet hier einiges an.
Die Schule wird langsam eine Institution, die versucht, die Kinder von der Straße wegzunehmen und ihnen solche Aktivitäten wie z.B. Sport, Musik, Kunst, zu bieten, die ihre individuellen Entwicklungsinteressen trifft. Politik bleibt somit oft nur auf dem Stundenplan.
Nun gibt es immer noch politische Bildungsangebote als freiwillige Angebote wie z.B. schulische Debattierclubs, in denen gerade eine kritische Auseinandersetzung geübt wird. Einem Austauschschüler können sie gute Möglichkeiten zur Verbesserung seiner Ausdrucksfähigkeit bieten.