Sind Amerikaner anders erzogen?
Ja das sind sie wohl und das wird jeder "Tourist" merken, der durch New York oder eine andere Großstadt Nordamerikas wandert. Denn man findet sie nicht, die bunten, gepiercten und tätowierten Amerikaner. Sie sehen einfach (fast) alle sehr ordentlich aus.
Rauchende Menschen auf den Straßen ... eine Seltenheit in Amerika. Und knutschende Pärchen? Nein, das kommt auch höchst selten vor. Händchenhaltend laufen einige wenige durch die Stadt, aber auch das eher selten.
Grundsätzlich könnte man meinen, die Menschen gehen ein wenig auf Abstand. Dieses Gedrängel und Geschubse, wie bei Ausverkäufen oder zu Weihnachten in unseren Innenstädten üblich, existiert hier nicht. Eine gewisse Distanz wird eingehalten. Das merkt man auch daran, dass in einen Fahrstuhl zwar 15 Leute hineinpassen würden, aber nur zehn mitfahren, um einem Gedrängel aus dem Wege zu gehen. Dadurch entsteht natürlich auch sehr viel weniger Aggression, sehr angenehm.
Kurz und gut: Eine riesige Stadt, viele Menschen und Autos, hohe Gebäude und trotzdem: Man fühlt sich wohl und nicht gehetzt oder erdrückt. So macht Einkaufen macht Spaß!


Kommentare
Berührungsangst
Persönlicher Abstand
Der höhere Radius, den jeder als nicht zu durchbrechende Schranke um sich zieht, ist sicherlich bei den Amerikaner weitergezogen, vermutlich bei allen Angelsachsen, als hierzulande. Es handelt sich nicht darum, wie oberflächlich zu bemerken, "Gedränge" zu meiden, sondern darum, Ängste und Beklemmungen zu meiden.
Wir alle kennen das vom hier ja auch erwähnten Fahrstuhlfahren: das betretene Schweigen, das Unwohlsein, das Starren an die Decke, die gegenüberliegende Wand.
Das alles löst sich sofort bei Öffnen der Tür.
Das dürfte vom puritanischen Einfluss herrühren. Nichts ist - war? - Briten unangenehmer als eine Berührung, ein Handschlag, ein Schulterklopfen o.ä. Bekanntlich reichen sie sich nicht die Hand. Heute ist vieles im Fluss, s. z.B. die Küsschengeberei, die die meisten für welschen Kram halten.
Weit gefehlt: das stammt tatsächlich aus England, nicht Frankeich, und kehrt wieder zurück. Üblich war das vor dem 19. Jahrhundert, also vor dem prüden Viktorianischen Zeitalter mit seiner Körperfeindlichkeit. Aus dieser Zeit, dem 18. Jh., existieren französische Reiseberichte, die sich über diese seltsamte Sitte amüsieren.