Arbeit? Sitzen!

Resigned statt reassigned

Die gefürchtete Suspendierung – sie ereilt nicht nur Schüler, sondern auch immer mehr Lehrer an High Schools in den USA.
Allein in New York warten derzeit rund 600 suspendierte Lehrer in fensterlosen Abstellräumen auf Verhandlungen wegen „Verfehlungen im Berufsleben“.

Täglich sieben Stunden spielen sie Karten, schlafen oder lesen in den Räumlichkeiten mit dem klangvollen Namen Temporary Reassignment Center. Neue Aufgaben bekommt hier keiner, nix reassigned also – stattdessen sind hier immer mehr der in Ungnade gefallenen Pädagogen resigned; resignieren also.

Kein Wunder: manche verbringen Jahre in dem Center und sitzen tagein, tagaus ihre Arbeitszeit ab. Dabei geht es strenger zu als in manchem Gefängnis: es darf weder Musik gehört, noch telefoniert oder am Computer gearbeitet werden.
Ihre Verbrechen? Sicherlich sind einige Fälle von Amtsmissbrauch, Alkoholismus oder Drogensucht dabei. Ein Großteil der abgeschobenen Lehrer sieht sich aber für Vergehen an den Pranger gestellt, die hierzulande allenfalls ein Stirnrunzeln hervorriefen. Einem rutschte ein „fuck“ während des Unterrichts heraus. Ein anderer war dem Schulleiter bei bestimmten Themen zu kritisch eingestellt. Manche behaupten, überhaupt keine Ahnung zu haben, warum sie suspendiert wurden. In New York wird gemunkelt, dass etliche ältere Semester abgeschoben wurden, weil die Bildungsverantwortlichen die Lehrerschaft verjüngen wollten.

Steht erstmal der Vorwurf der Inkompetenz im Raum, ist es für den betreffenden Lehrer äußerst schwierig, das Gegenteil zu beweisen. Ist der ihnen zugeteilte und sie im Unterricht observierende Berater der Meinung, der Vorwurf wurde nicht entkräftet, so winkt der Lehrer-Knast.
Das dortige Nichtstun drückt den Pädagogen natürlich aufs Gemüt. Viele greifen zu Alkohol oder Medikamenten, verfallen in Depressionen oder werden aggressiv.
Das Problem ist auch ein finanzielles: Da den Lehrern das Gehalt weiterhin voll ausgezahlt wird, entstehen dem Schulsystem jährlich 65 Millionen Dollar an Kosten - allein in New York!