Statussymbole
Nach meinen Erfahrungen liegt das typische Bild der Little Rock-Wohnviertel genau zwischen den beiden beschriebenen Typen. Die meisten Austauschschüler meiner Arkansas-Gruppe waren ebenfalls bei Familien in solchen Wohnvierteln untergebracht, Familien, die nach Viertel und sozialem Status also zur mittleren und gehobenen Mittelschicht zählten (s. auch xxx "Familie").
In unserem Wohnviertel, obwohl erst vor einigen Jahren entstanden, waren jedoch alle Grundstücke bereits bebaut. Die Siedlung liegt auf der Südseite von Hügeln, die man nach manchen Steigungen schon fast als Berg bezeichnen konnte. Sie bilden die Grenze zwischen dem Arkansas-River und den Außenbezirken von Little Rock. Die Innenstadt war auf mehreren vierspurigen Hauptstraßen bei guten Verkehrsverhältnissen - also nicht morgens oder nach Feierabend - innerhalb fünfzehn Minuten erreichbar.
Unser Haus befand sich in einer Sackgasse, also in besonders ruhiger Lage. Die Straße kann, glaube ich, als typisch amerikanisch bezeichnet werden: breite, asphaltierte Straße mit ausgebautem Rand und anschließenden Gärten ohne Zäune. Die Grundstücke waren trotzdem ganz klar voneinander getrennt, da die Nachbarn sich unterschiedlich intensiv um ihr Statussymbol Rasen kümmerten. Eine gängige Methode war übrigens das Austauschen des Rasens im Frühjahr. Hierbei wurde der alte Rasen stückweise entfernt und gegen frische Rasenblöcke ausgetauscht. Der ganze Vorgang nahm je nach Größe etwa zwei Tage in Anspruch und kostete wohl auch eine ganze Menge Geld .
Zu unserer Nachbarschaft mit seinen schätzungsweise dreihundert Häusern gehörten noch zusätzlich zwei gepflegte Tennisplätze und ein großes Freibad mit einer festangestellten Schwimmaufsicht. Um diese Einrichtung nutzen zu können, war allerdings eine Mitgliedschaft im Echo Valley Club (unsere Nachbarschaft trug den Namen Echo Valley), dessen Jahresgebühren mit 150-200 $ je nach Familiengröße die Anzahl der Mitglieder von vornherein beschränkte. Die angrenzenden Wohnviertel besaßen ähnliche Einrichtungen, auch nit Grillplätzen, Party- und Billardräumen u.ä. Im Sommer erwies es sich als besonders günstig, dass meine Gastfamilie Mitglied des Echo Valley Clubs war und das Clubschwimmbad von unserem Haus zu Fuß in einer Minute erreichbar war.
JH

