Gutes Gefühl trotz Kulturschocks

Ein Jahr USA - mit Sicherheit eine große Herausforderung, für mich aber auch gleichzusetzen mit einem Traum. Eine anfängliche Idee ging für mich nun tatsächlich mit diesem Aufenthalt in Erfüllung.
Zu Anfang des Buches berichtete ich über meine Gedanken und Gefühle zu dem bevorstehenden Abenteuer.
Sicherlich sprachen immer viele vernünftige Argumente für eine solche Reise: Verbesserung der Sprachkenntnisse, Kennenlernen der eigenen Grenzen und Leistungsfähigkeit, Erwerb von wichtigen Kenntnissen über die USA.

Trotzdem hatte ich während meines Aufenthalts nie daran gedacht, ausschließlich diese Anforderungen zu erfüllen.
Ich befand mich zunächst in einer neuen Welt, deren Regeln ich erst einmal beherrschen musste. Dies bedeutete nicht nur den Erwerb der Sprache als Mittel der Kommunikation, sondern auch Lebensstil und Gewohnheiten.

Hierbei muss ich, wieder einmal, meiner Gastfamilie ein ganz großes Lob aussprechen. Bei den Baxters fühlte ich mich von Anfang an ins Familienleben integriert. Natürlich gab es während meines Aufenthaltes, und insbesondere zu Anfang, kleinere Differenzen (in meinem Fall nur Kleinigkeiten wie beispielsweise, wer wann das Badezimmer benutzt, oder was unter einem kompletten Abendessen zu verstehen ist), die aber sogleich besprochen und behoben wurden, so dass niemals ein schlechtes Klima entstand.

Vielleicht lag es auch daran, dass die Familie mit sechs Personen und etlichen Haustieren sehr groß war und wir im Gewühl miteinander reden und das Leben organisieren mussten. Diese Offenheit traf ich übrigens fast überall. Den "Kulturschock" überwand ich rasch, die Eingewöhnung in den USA war bald vollzogen, vielleicht sogar schneller als die Rückgewöhnung.

Dabei spielte die ungewöhnliche Freiheit, die man als Gastschüler trotz der Bindung an die Gastfamilie genießt, eine wesentliche Rolle.
Man muss sich vor Augen halten, dass einem nicht mehr gesagt wird, man möge zu einem gegebenen Zeitpunkt lernen, sein Zimmer aufräumen, die Kleidung waschen oder dergleichen Ermahnungen und Forderungen, wie zu Hause gewohnt.
Mit einem einjährigen Aufenthalt wird auch viel Selbstständigkeit erworben. Voraussetzung ist lediglich, dass man sich diesen Aufgaben stellt. Hat man z.B. Erfolg mit der Bedienung der Waschmaschine oder dem Trockner oder damit, mal selbst ein Gericht auf den Tisch zu zaubern, so sind Freude und Stolz umso größer. Und sollte es mal nicht klappen, so findet man in der Familie immer einen Ansprechpartner, der weiterhilft - zumindest bei mir hat es immer funktioniert. Auf dieser Grundlage lassen sich dann auch persönlichste Probleme besprechen - Offenheit ist aber Voraussetzung.