Lernen im Bunker?

Spärliches Tageslicht

Meine Gastmutter hatte mir schon vor meiner Ankunft in Arkansas einen Schulkatalog besorgt, in dem alle Lehrveranstaltungen bzw. Kurse aufgelistet waren. Das Angebot reichte von Standardkursen wie Biologie, Englisch, Amerikanische Geschichte, World History, American Government bis zu für mich sehr erfreulichen Fächern wie Computerwissenschaft, Elektrotechnik, Marketing, Einführung in die Informatik, Maschinenschreiben.
Da ich nur Englisch als Pflichtgegenstand wählen musste, blieb eine große Auswahl. Nach einigen Tagen fuhren wir zur Schule zur Erledigung der notwendigen Formalitäten.

Die Schule lag rund eine halbe Autostunde entfernt. In Arkansas können Vierzehnjährige bereits unter bestimmten Voraussetzungen mit dem Auto fahren. Spätestens in der High School (mit rund 16 Jahren) besitzen die meisten einen eigenen Wagen und fahren damit zur Schule. Wer möchte schon zwanzig Kilometer mit dem Rad fahren oder täglich früher aufstehen, um mit einem alten, klapprigen Schulbus zu fahren? Aus diesem Grund war die Schule von einem ausgedehnten Parkplatz umgeben. Ein Footballplatz mit einer Laufbahn durfte natürlich auch nicht fehlen. Das Gebäude selbst bestand hauptsächlich aus Beton. Die wenigen Fenster, die als notwendig befunden wurden, verdienten diese Bezeichnung eigentlich überhaupt nicht. Sie glichen eher einer Kajütenluke bzw. einem Bullauge auf einem Schiff.

Die Innenarchitektur war von langen neonröhrenbeleuchteten Gängen und den Schließfächern, den "Lockern" (Blechkästen), geprägt. Jeder Schüler bekam ein Schließfach, in dem er seine Schulsachen zwischen den einzelnen Kursen (im Englischen eigentlich "class", deshalb werde ich im folgenden diese zwei Begriffe als Synonyme verwenden; erst im College oder auf der Universität spricht man von "course") aufbewahren kann. In die einzelnen Klassen strahlte nur ausnahmsweise irgendein Sonnenlicht, weshalb auf künstliche Beleuchtung zurückgegriffen werden musste.

RM