Seriosität statt Geldgier
Nun zum Thema Gastfamilie.
Nach langjährigen Erfahrungen von Betreuern westeuropäischer Austauschschüler werden etwa 90-95 Prozent der Gastschüler bei Familien der amerikanischen Mittelschicht untergebracht. Das bedeutet, dass meist ein Einfamilienhaus und zwei oder mehr Autos vorhanden sind, so wie es auch bei meiner Gastfamilie der Fall war.
Da die Gastfamilie wesentlich das Gelingen des Aufenthalts bestimmen wird und man hier gerade auf die Seriosität des Veranstalters angewiesen ist, rate ich immer nur zu Veranstaltern mit möglichst langer Erfahrung.
Zwei Stellen überwachen in den USA alle anerkannten amerikanischen Veranstalter. Es handelt sich hierbei um die USIA (United States Information Agency), eine Behörde des Außenministeriums, und um den CSIET (Council on Standards of International Education Travel), ein Zusammenschluss amerikanischer High Schools und Vertreter des Bildungswesens. Die Anerkennung eines Veranstalters durch diese Verbände - wohlgemerkt nur auf amerikanischer Seite - bescheinigt die Erfüllung allgemeiner Mindestanforderungen.
Bei uns beispielsweise fehlen solche staatlichen Kontrollorgane. Lediglich die Aktion Bildungsinformation übt eine Marktüberwachungsfunktion aus (siehe Veranstalter, Informationsstellen).
In punkto finanzieller Leistungen ist wichtig zu wissen, dass die Gastfamilien außer einem geringen Einkommensteuerfreibetrag von etwa 600-800 $ pro Jahr keine Vergünstigungen erhalten. Das Geld verbleibt bei den Veranstaltern zur Kostendeckung und als Gewinn, so dass die Gastfamilien durch die Aufnahme eines Gastschülers durchaus erhebliche Ausgaben hat. Dieses System bedeutet für den Programmteilnehmer einen gewissen Schutz, da sich nur solche Familien als Gastfamilie melden, die keine finanziellen Vorteile erwarten.

