Schulgespräche und Ausflug

23. August
Mein heutiger Schultag war relativ langweilig. Insgesamt wurde nicht viel gemacht. Schulanfänge sind vermutlich in allen Ländern gleich mit organisatorischen Dingen vollgestopft. Allerdings gab es schon einige einschlägige Gesprächsthemen in der Schule, zum Beispiel Prom und Homecoming, und wer mit wem zu den Schultänzen gehen könnte. Ich fand das etwas früh, aber das sind für die Amerikaner wichtige Ereignisse im Schuljahr, besonders für Seniors.

Tammy fand es überhaupt nicht merkwürdig, als ich ihr dies am Nachmittag berichtete. Deshalb holte sie sogleich das Thompson Jahrbuch des vorletzten Schuljahres heraus und schlug mir einige Jungs vor, mit denen ich gehen könnte. Gerade das fand ich noch viel merkwürdiger und für unsere Kultur geradezu unvorstellbar, doch wir wurden als Austauschschüler auf solche Situationen vorbereitet; so konnte ich letztlich nur schmunzeln.

Am Abend ging ich mit Amanda und Megan, zwei Freundinnen aus der Seniorklasse, die auch Volleyball spielten, ins Kino. Wir hatten eine Menge Spaß zusammen und ich erkannte, dass zwar viele Dinge in den USA anders waren, aber viele eben doch gleich.

Lagerfeuer an der Jagdhütte

25. August
Na gut, die ersten zwei Schultage hatte ich schon einmal überstanden, und nun war Wochenende. Am Samstagmorgen bekam ich erst einmal einen Anruf von zu Hause, denn ich hatte mit meiner Mutter vereinbart, dass sie mich, wenn, dann am Samstagmorgen anrufen kann. Ich empfehle allen Austauschschülern solch einen Zeitpunkt mit den Eltern, Freunden und Verwandten zu vereinbaren, das ist günstig. Allerdings sollte das vielleicht nicht ganz so oft sein, denn dann kann leicht Heimweh aufkommen.
Überhaupt, wer Heimweh hat, sollte nicht gleich zu Hause anrufen, sondern erst einmal warten oder lieber einen langen Brief oder eine Email schreiben. Denn die Stimmen zu hören, kann das Heimweh vielleicht noch verstärken. Doch das sollte jeder für sich allein entscheiden und im Laufe des Schuljahres lernt man auch, damit umzugehen.

Nach dem Telefonat und dem Frühstück machten sich Tammy, Andrew und ich auf nach Grand Forks, um die wöchentlichen Einkäufe zu erledigen.

Am Nachmittag wollte ich per Internet meiner Gastfamilie meine alte Schule vorstellen. Dabei stieß ich auf Fotos von meinem Abiball, die ein ehemaliger Mitschüler von mir ins Netz gestellt hatte. Natürlich war ich darauf auch zu sehen, was meine Gastfamilie toll fand. Daraufhin habe ich ziemlich viele Fragen über deutsche Schulen beantworten müssen, woran ich mich aber schon in den ersten Wochen gewöhnt hatte.

Traumfänger aus einem Indianerreservat

Gegen Abend brachen wir mit den Pferden zur Jagdhütte meiner Gasteltern auf. Dort haben wir wieder jede Menge Ausritte gemacht und saßen die ganze Nacht ums Lagerfeuer und haben Geschichten erzählt, es war einfach toll.

Am Sonntag machten wir einen Ausritt, packten dann aber unsere Sachen zusammen und begaben uns auf den Weg nach Hause. Dort half ich Tammy beim Rasenmähen, bei der Größe ihres Grundstückes eine Menge Arbeit. Jeder Gastschüler sollte aber unbedingt Aufgaben im Haushalt übernehmen und dabei stets hilfsbereit und höflich auftreten. Für Amerikaner ist das sehr wichtig und prägt eindeutig das Bild, das sie von ihrem Gastschüler entwickeln werden.

Später besuchten uns Tammys Eltern. Sie wurden für mich im Laufe meines Aufenthaltes wie meine richtigen Großeltern, und gerade die Zeit, die ich mit ihnen verbrachte, möchte ich auf keinen Fall missen. Außerdem brachten sie mir einen Traumfänger aus einem Indianerreservat mit. Ich muss immer wieder betonen, wie freundlich und aufmerksam mich alle behandelt haben. Gerade deshalb sollten sich Austauschschüler stets freundlich und tolerant verhalten, auch wenn es in manchen Situationen schwer fallen kann.