Patriotismus

Oh nein, eine Abstinenz vom Fahnenritus kann sich niemand erlauben.
Obwohl Amerika in anderen Ländern ein eher negatives Image hat, und viele Europäer besonders das Gesundheitssystem und die Umweltunfreundlichkeit der Vereinigten Staaten anzweifeln, scheint dies die Amerikaner nicht davon abzuhalten, stolz auf ihr Land zu sein.

Seit den Terroranschlägen am 11. September hat sich in Amerika sehr viel verändert, gerade in punkto "Vaterlandsliebe". Viele Bürger hängen eine amerikanische Flagge an die Hausfassade und sehen diese als "Zeichen der Verbundenheit" mit ihrer Nachbarschaft, der Umgebung und des ganzen Staates an. Jedoch scheint es nicht wie Gruppenzwang zu sein, denn es existiert kein Gesetz dazu. Doch für Amerikaner fühlt es sich einfach ein bisschen besser an, eine Flagge vor der Haustüre hängen zu haben.

Auch in vielen Schulen und Klassenzimmern, öffentlichen Einrichtungen und sogar in manchen Kirchen findet sich das "Star-Spangled Banner". Falls Flaggen in Klassenzimmern vorhanden sind,  wird jeden Morgen vor Unterrichtsbeginn der Fahneneid gesprochen. Zudem muss man sich erheben, sich der Fahne zuwenden, die Hand auf das Herz legen und gegebenenfalls die Kopfbedeckung abnehmen. Wenn da nicht mitmacht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit von Lehrern streng angesprochen und gilt unter den Mitschülern als unpatriotisch.

Auch vor jeder größeren Veranstaltung, sei es ein Football-Spiel oder ein Klassikkonzert, ertönt die Nationalhymne. Manchmal nur vom Toband, doch oftmal wird sie von Schülern oder anderen Artisten gespielt oder gesungen. Nach dem Ende folgt meist kräftiger Applaus und dann erst darf die Veranstaltung steigen.
Auch beim Spielen der Hymne gelten die selben "Verhaltensregeln" wie beim Fahneneid. Man sollte diese besonders als Gast achten und ausführen, da man sonst als respektlos gilt.

Doch im Gegensatz dazu scheint das Bewusstsein vieler Amerikaner auch kritisch gegenüber der Nation zu sein. Es wirkt ein bisschen wie ein Gruppenzwang, dass die Fahne respektvoll zu behandeln ist, doch im restlichen Alltagsleben denkt der Amerikaner genauso über seinen Staat nach, wie andere Menschen von anderen Staaten es auch machen würden.

Hendrik Kramer, Austauschschüler