Zubehör zur Graduation

Donnerstag, 8. Februar
Zahltag - natürlich leider nicht für mich, sondern von mir an andere. Zuerst stand heute die zweite Rate für das Schuljahrbuch mit 15 $ an. Die Investition, in meinem Fall von insgesamt 32 $, hatte sich aber ausgezahlt. Mein Jahrbuch ist eine meiner wertvollsten Erinnerungen an die USA mit vielen Fotos meiner Schulkameraden und einer Menge persönlicher Widmungen.

Jahrbücher gehören in den USA einfach zum Muss für jeden Schüler. Zur Zusammenstellung meines über hundertneunzig Seiten umfassenden Buches wurde bei uns ein eigener Arbeitskreis gebildet, hauptsächlich aus dem Kreis der Journalismus- und Fotografie-Arbeitskurse. Durch viele Monate hindurch wurden Bilder gesammelt, Texte verfasst, aber auch Sponsoren aus Little Rock gesucht. Das Ergebnis war dann eine Dokumentation, insbesondere des Schul-, aber auch des gesamten Jahres. Dazu gehörten auch die Vorstellung der Schulbands, Sportmannschaften, der vielen Arbeitskreise wie Töpferei, Tonarbeiten, Malerei, Army (ROTC) unter Führung eines pensionierten Majors, Business, Sprachen und mehr, und der vielen Clubs wie Drama, solchen mit sozialen Aufgaben wie dem später noch erwähnten Key-Club (s. Soziales), etc.

Meine Schule hieß im übrigen mit vollem Titel Parkview Science Art Magnet High School, wobei "science" die naturwissenschaftliche Orientierung und "magnet" die vielfältigen außerschulischen Angebote betonten. Entsprechend lang war die Liste der Clubs und Arbeitskreise einschließlich Gruppenbildern. Anschließend folgten die Bilder des Lehrerkollegiums und einzelner Schüler, nach Jahrgangsstufen gegliedert. Am Ende blieben dann auch noch einige Seiten für die Eltern, um ihren "Schulabgängern" Widmungen ins Buch zu setzen.

Bei der Bestellung eines Jahrbuches muss man genau auf das Datum achten. Jahrbücher werden meist zu Ende des Schuljahres ausgeliefert, zu bestellen ist jedoch mindestens ein halbes Jahr vorher. Ich hätte die Bestellfrist beinahe auch versäumt.

Als zweite Station wartete an diesem Tag Mr. Boosey, der Drama-Lehrer. Für den morgigen Tag schrieb ich mich für eine durch ihn veranstaltete Reise nach Fort Smith mit der Theatergruppe ein. Der Ausflug kostete 20 $.
Kleinere Ausflüge wurden von einigen Clubs oder Arbeitskreisen organisiert. Obwohl meist nur für die jeweiligen Mitglieder gedacht, kann man als Gastschüler mal nachfragen, ob es eine Mitfahrgelegenheit gibt. Eine Ablehnung ist selten, und es gibt kaum eine bessere Möglichkeit, den Bundesstaat bzw. die USA mit Freunden zusammen kennenzulernen.

Als letztes stand noch eine Rechnung für diverse Sachen offen, die mit meinem High-School-Abschluss zu tun hatten und in Deutschland ziemlich unbekannt sind. Der High-School-Abschluss ist in den USA ein gesellschaftliches Ereignis, das einen ganzen Industriezweig hervorgebracht hat. Ich erhielt einen großen Farbkatalog mit allem erdenklichen Graduationszubehör: Visitenkarten, Einladungen, Erinnerungsbücher, Schlüsselanhänger, Halsketten, Monogramme, Lederetuis, Gläser, Tassen, usw. Unbedingt gekauft werden musste der "cap and gown", worunter sich der Graduations-Hut und die Robe in der Traditionsfarbe der Schule verbergen. Zum Schluss sieht man dann aus wie bei der Verleihung des Doktortitels in Oxford.
Diese "Ausrüstung" kostete mich 17 $, einschließlich der unerläßlichen Visitenkarten, die man untereinander austauscht. Mit einigen Einladungen zur Abschlusszeremonie hätte sich die Rechnung auf etwa 30 $ belaufen. Die Firma übernahm jedoch für uns Austauschschüler diese Kosten als eine Art kleines Souvenir, eine nette Geste, über die wir uns natürlich sehr freuten.