Dauer-Weihnachten
Montag, 8. Januar
Ein bemerkenswerter Tag in meinem Leben. Noch Anfang Dezember sprach mich Lisa Young, eine alte Bekannte Peters und Mitarbeiterin der Schülerzeitung, auf einen Artikel über mich für die Schülerzeitung an. Angesichts der Veränderungen in Deutschland und im ehemaligen Ostblock sollte ich etwas über Deutschland erzählen. Nach Erscheinen des etwa halbseitigen Artikels in unserer "The Constitution" war ich restlos begeistert. Exemplare waren natürlich gleich an die gesamte Verwandtschaft geschickt worden, und auch etliche Freunde wurden beliefert. Mein "Bekanntheitsgrad" erreichte an diesem Montag ungeahnte Höhen, denn der gleiche Artikel erschien nämlich auch in der zweitgrößten Tageszeitung Arkansas, dem "Arkansas Democrat".
Samstag, 13. Januar
Ein Tag im Zeichen des Hausmannes. Das Betätigungsfeld umfasste alles vom Staubsaugen bis zum Fensterputzen in meinem Zimmer. Übrigens erledigte ich meine Wäsche und den Zimmerputz während meines gesamten Aufenthalts immer selbst. Der Aufenthalt bedeutete ja auch, dass man in alle Bereiche des Lebens, auch in der Familie, integriert wird (s. "Familie").
Beim Putzen sorgte Dessy meist für Unterhaltung, da sie sich sich weder durch Staublappen noch durch Staubsauger stören ließ, sondern sich immer mitten in den Weg pflanzte.
Den Tag nutze ich auch zur Erledigung meines "Wochenpensums" an Hausarbeit.
Mrs. Baxter stellte eine Liste mit den Arbeiten auf, wie Wäschefalten, Wischen, Badezimmer, Spülmaschine usw. Der Idee nach sollte jedes Familienmitglied wöchentlich im rotierenden System eine bestimmte Sache erledigen, was aber nie klappte. Mr. Baxter konnte wegen seines Schichtdienstes nicht immer teilnehmen, und Peter und Susan schieden gleich in der ersten Runde aus.
Also schien alles in den Händen von Mrs. Baxter, Brigitt und mir zu bleiben. Als Peter seine alten Socken schließlich immer häufiger aus dem Wäschekorb fischen musste und Susan öfter Bekanntschaft mit dem Bügeleisen machte, wurde das Team wieder vervollständigt.
Dieser Putztag war deswegen noch bemerkenswert, weil ich ab jetzt Dauer-Weihnachten feiern konnte. Mangels eines Abstellraums kam nämlich der geschmückte Kunststoffbaum in mein Zimmer. Im Laufe der Zeit wurde der Baum zu einer Art Zimmerpflanze, um die man sich nicht zu kümmern brauchte.

