Neues Zuhause

Nachdem wir uns alle begrüßt und vorgestellt hatten, holten wir mein Gepäck ab. Tammy äußerte sogleich, dass sie es sich überhaupt nicht vorstellen könne, für einen so langen Zeitraum Sachen packen zu müssen. Daraufhin gab ich zu, dass es mir auch sehr schwer gefallen sei.
Jetzt würde ich bald mein neues Zuhause kennenlernen, wo ich die nächsten zehn Monate leben würde: Thompson, ein kleiner Ort ungefähr sieben Meilen südlich von Grand Forks. Auf der Fahrt dahin war ich teilweise sogar schockiert, da wir uns in eine richtige Einöde zu begeben schienen, in der es nicht einmal geteerte Straßen gab. Ich sah quasi schon die pure Langeweile auf mich zukommen, obwohl sich das dann doch ganz anders entwickeln würde.

Nach kurzer Fahrt gelangten wir zum Haus der Familie Adams. Es war wunderschön, mit riesigem Grundstück, das mir gleich ausführlich gezeigt wurde. Dabei lernte ich den Rest der Familie kennen: die Hündin Missy, die Katze Red und die Pferde Dixie, Reno, Buddy, Jete und Lady. Danach wurden mir das Haus und mein neues Zimmer gezeigt. Ich war angenehm überrascht und spürte, dass ich mich hier durchaus wohlfühlen würde. Schon jetzt schien ich mich sehr gut mit meiner Gastfamilie zu verstehen.

Futtern und Gelächter

Ich war noch viel zu aufgeregt, um mich auszuruhen, obwohl ich die ganze Nacht und den vorhergehenden Tag unterwegs gewesen war. Ich habe mit meiner Familie Eis gegessen, und schon da wurde mir bewusst, dass die Amerikaner einfach alles in riesigen Abpackungen kaufen. Wer könnte sich in Deutschland schon eine Packung Eis mit einem Inhalt von einer Gallon (3,7 Liter) vorstellen?
Bei dieser Gelegenheit überreichte ich meine Gastgeschenke, über die ich ein bisschen erzählte und dabei meine Region in Deutschland vorstellte. Die Schokolade wurde gleich aufgerissen und begierig probiert. Letztlich fand die ganze Familie sie deutlich besser als amerikanische, was ich zu einem späteren Zeitpunkt auch feststellte. Jedenfalls hatten wir eine lustige Unterhaltung, bei der das erste Eis sofort geschmolzen war. Gary legte dann fest, dass wir am Abend Pizza essen gehen würden. Das versprach für mich, ein lustiger erster Tag zu werden.

Amanda musste leider am Nachmittag arbeiten, genau wie Gary, aber es kam trotzdem keine Langeweile auf; ich ließ mich nämlich auf eine Schachpartie mit Andrew ein. Zu dem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, wie gut er war. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals so böse geschlagen wurde. Während meines gesamten restlichen Aufenthalts habe ich nicht wieder gewagt, gegen ihn anzutreten. Trotzdem hatten wir an diesem Nachmittag jede Menge Spaß und haben richtig viel gelacht. Gerade dieses Ereignis hat mich sehr auftauen lassen.
Danach schaute ich mit Tammy „Friends“ an, was wiederum sehr lustig ausfiel. Es ist schon richtig schön, wenn man merkt, dass man in eine Familie kommt, die die gleichen Interessen hat, aber trotzdem aus einer anderen Kultur stammt.

Der Abend, unser Pizzaessen, war ebenfalls einfach nur toll, ich kann das nicht anders sagen. Ich war nur überrascht, dass meine Gasteltern öffentlich Alkohol tranken, was sehr ungewöhnlich für Amerikaner ist. Insgesamt brachten beide sowieso viel Toleranz und Verständnis für die Jugend auf. Das kann daran liegen, dass Gary in der Thompson High School arbeitete und Spezialist im Umgang mit Jugendlichen war. Er war bei allen beliebt.

Den Tag ließ ich mit dem Versuch ausklingen, meine Sachen auszupacken. Letztlich habe ich es doch nicht ganz geschafft, denn mich überkam einfach die Müdigkeit.