Leichte Beute
Im Nachhinein wird mir doch ein wenig schwummerig, denn ich oder wir Gastschüler waren so leichte Beute. Das will ich kurz erklären, denn nun ist ja alles überstanden.
Wenn man als Gastschüler nach Kanada oder Amerika oder sonstwohin fliegt, so hat man meistens folgendes beim Abflug dabei:
- Traveller Checks, um im Gastland notfalls Geld zu erhalten
- eine Kreditkarte, meistens auf den Namen der Eltern
- eine Girokontokarte, haha, ebenfalls auf den Namen der Eltern (vertraglich gesehen)
- und Bargeld (bei mir waren es über 800 Dollar), die eingequetscht in meiner Gürteltasche am Körper waren, so dass ich aussah wie im vierten Monat schwanger.
Man kann sich also vorstellen, dass ein frischgebackener Gastschüler als leichte Beute durch die Gegend wandelt. So denke sich der Leser doch einmal, man müsse auf die Toilette und lege daher seinen Geldgürtel ab. Schnell ist es geschehen: Bei Unaufmerksamkeit verlässt man mal fix die Toilette ohne Gürtel und dann merkt man plötzlich, dass etwas fehlt ... 800 Dollar nämlich. Ist das nicht ein Albtraum?
Hat man einen Zwischenaufenthalt in Chicago, dann haben die Eltern daheim mit Sicherheit keine ruhige Minute. Dies natürlich nicht wegen des Geldes, sondern wegen dem Träger des Geldes. Meine Mutter hat mir vor dem Ablug mindestens zehnmal eingebleut, diesen Gürtel nicht und niemals aus den Augen zu lassen, Kein Toilettengang ohne Gürtel sozusagen. Und selbst nachts habe ich mit diesem Ding geschlafen, sehr gemütlich.
Aber im Ernst: Erst, wann man angekommen ist, wird einem bewusst, dass man mit wertvoller Beute reist.

