Gastgeschwister und Gasteltern

Grundsätzlich sind zwei Familientypen zu unterscheiden, wobei es sehr hilfreich ist, sich eine Art Rollenspiel vorzustellen, als Mitglied der jeweiligen Gastfamilie.

Familien mit Kindern

Gastschüler neigen dazu, nur Gastfamilien mit Kindern im gleichen Alter zu wählen. Das kann hilfreich sein, muss es aber nicht, abgesehen davon, dass Gastfamilien mit Kindern im eigenen Alter nicht immer leicht zu finden sind.
Sollte man sich mit den Gastgeschwistern nicht gut vertragen, ist u.U. sogar ein Familienwechsel zu empfehlen.

Keine schlechte Wahl sind Gastfamilien mit jüngeren Kindern, wo Gastschüler häufig von ihren "Geschwistern" als "großer Bruder" oder "große Schwester" angesehen und möglicherweise auch respektiert werden. Man wird quasi zum Ersatzelternteil und kann mit Sicherheit viele Erfahrungen fürs spätere Leben machen. Allerdings gehört auch Verantwortungsgefühl und die Fähigkeit, mit Kindern umzugehen, zu dieser Familienform.

Bei Familien mit älteren Kindern ist zu berücksichtigen, dass Jugendliche in den USA wesentlich früher flügge sind als bei uns. Nach dem High-School-Abschluss verlassen die meisten mit achtzehn oder neunzehn Jahren das Elternhaus und kommen nur noch zu Besuch.

Familien ohne Kinder

Hier ist zwischen berufstätigen und nicht mehr berufstätigen Gasteltern zu unterscheiden.
Gastschüler und Betreuer betonen die besondere Stellung des Schülers in solchen Familien. Bei jüngeren, berufstätigen Eltern ohne eigene Kinder kann man meist gehobenen Wohlstand voraussetzen.
Die Gasteltern können den Schüler als "Kindersatz" ansehen, wobei ihnen allerdings auch die Übung im Umgang mit Kindern fehlen wird. Ergebnis sind einerseits oft Überbetreuung und Überverantwortung, andererseits größere Freiräume und Selbstständigkeit des Gastschülers, vor allem während der Arbeitszeit der Gasteltern.
Nach weiteren Erfahrungen von Gastschülerbetreuern sind ältere Gasteltern, insbesondere mit erwachsenen, außerhalb lebenden Kindern, sehr verantwortungsbewusst. Da sie gut mit Wünschen und Problemen Jugendlicher vertraut sind, lassen sie ihnen besonders viel Aufmerksamkeit angedeihen. Man ist in einer solchen Umgebung oft bestens aufgehoben, muss sich aber über die Einstellung der Gasteltern bewusst sein, um unnötige Konflikte zu vermeiden.