Footballspieler sorgt für Spekulationen
Erster Schultag
22. August
In den USA ist der erste Schultag nach den Sommerferien schon etwas Besonderes. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Schüler immerhin drei Monate frei hatten. Doch nun ging es zurück in den Alltag, was bei Amanda und Andrew keine Glücksgefühle auslöste. Ich dagegen war aufgeregt und gespannt, was der amerikanische Schulalltag so mit sich bringen würde.
Tammy hatte sich noch einen Tag Urlaub genommen, um uns an unserem großen Tag Frühstück zu machen und Fotos zu schießen. Das kam mir zwar im ersten Moment etwas komisch vor, mir wurde aber erklärt, das sei so eine Art Tradition im Hause Adams, was sich vor allem auf die Fotos bezog.
Schließlich ging es auf zur Schule, wo sich erst einmal alle Schüler in der Turnhalle versammeln mussten, um zum Beispiel über die Schulregeln, insbesondere die Kleiderordnung, aufgeklärt zu werden. Danach wurden die Schüler in ihre Jahrgänge zusammengefasst. Ich kam zu den Seniors, was in Deutschland die 12. Klasse bedeutet und in den USA auch gleichzeitig die Abschlussklasse ist. Dort bekam ich meine neuen Mitschüler zu Gesicht; glücklicherweise kannte ich ja schon einige vom Volleyball her. Außerdem erhielt jeder seinen persönlichen Stundenplan und seinen Locker (Schließfach). Mit dem Locker hatte ich zuerst so meine Probleme, doch Gary war ja da und konnte mir zeigen, wie das Zahlenschloss genau funktionierte.
Besonders froh war ich darüber, dass ich einige Kurse zusammen mit Megan hatte, nämlich Englisch und Health Carreers. Mit ihr hatte ich mich schon durch den Volleyball angefreundet. An diesem Tag schmiedeten wir unsere ersten Collegepläne zusammen, schließlich wäre es doch lustig, wenn wir zwei Zimmerkameraden auf dem College wären. Auf alle Fälle lachten und scherzten wir zwei immer viel.
Glitzerstein als Schulgespräch
Außerdem wurde ich unbewusst zur Attraktion des ersten Schultages. Ich hatte mir etwa ein Jahr vor meinem Abflug vom Zahnarzt so einen Glitzerstein auf einen Schneidezahn setzen lassen, und hier wurde das gleich zum allgemeinen Schulgespräch. Amanda erzählte mir sofort, dass das wohl das heißeste Diskussionsthema des Tages war, was ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte.
Dann traf ich natürlich auf andere Austauschschüler. Sie kamen alle von anderen Austauschorganisationen und leider alle aus Deutschland, was ich nicht sehr positiv fand. Im Laufe des Schuljahres verlor ich den Kontakt zu ihnen, da ich es nicht gut fand, die ganze Zeit in den Pausen zusammenzukleben und nur Deutsch zu reden; man war doch in die USA gekommen, um eine andere Sprache zu lernen, eine andere Kultur zu erforschen und neue Kontakte zu knüpfen, und so war das ja kaum möglich.
Die Schulstunden waren insgesamt mehr mit organisatorischen Dingen, wie dem Verteilen von Lehrbüchern, ausgefüllt. Erstaunt war ich nur von unserem äußerst jungen Physiklehrer, der selbst erst 22 Jahre alt war und gerade vom College kam. Ich fragte mich, was das wohl werden sollte, da er doch noch etwas unsicher schien.
Nach der Schule ging es gleich zum Volleyballtraining, also war bereits mein erster Tag recht lang. Glücklicherweise wurde ich danach von einem Footballspieler nach Hause gefahren, was bei meiner Gastfamilie, insbesondere Amanda, wilde Spekulationen auslöste.
Im Großen und Ganzen verlief der Tag für mich höchst positiv und aufregend. Tammy war überglücklich, dass ich meinem ersten Schultag so gut überstanden hatte, doch es lagen noch einige vor mir.

