Erster Kontakt mit den Gasteltern
Meine Gastfamilie habe ich zum Glück recht früh kennengelernt, bereits Mitte April. Ich muss ehrlich sagen, dass ich etwas enttäuscht war, nicht wegen der Familie, die schien ganz wunderbar zu mir zu passen, sondern wegen der Gegend, denn ich kam in den Bundesstaat North Dakota an der Grenze zu Kanada.
Insgeheim hätte ich natürlich auf etwas Bekannteres gehofft, zum Beispiel Florida oder New York. Später, während meines Aufenthaltes, habe ich erkannt, dass es eigentlich völlig schnuppe ist, wo man hinkommt, wenn man sich da wohl fühlt, mit der Familie gut klarkommt und neue Freunde findet.
Ansonsten war ich von den Informationen beeindruckt, denn es gab in der Familie zwei Kinder etwa in meinem Alter, Amanda und Andrew. Die Eltern, Tammy und Gary, schienen auch richtig nett zu sein. Zudem hatten sie die gleichen Interessen wie ich.
Diese Fakten beruhigten mich schon einmal, weil man ja manchmal doch das Gefühl des Ungewissen hat.
Seitdem herrschte zwischen uns reger Briefkontakt, und ich bekam schon Fotos meiner neuen Familie zu sehen. Ich empfehle jedem Gastschüler, so bald wie möglich Kontakt zu der neuen Familie aufzunehmen und sich schon vorher mit eventuellen Geflogenheiten auseinanderzusetzen. In meinem Fall hat das sehr geholfen, weil ich schon vorher über das Familienleben und den Tagesablauf informiert war. Ebenso kannte ich die Erwartungen, die an mich gestellt wurden, was sehr gut war.
Also, gleich mit dem Schreiben von Briefen oder Mails anfangen, und man darf sich nicht scheuen, auch Fragen zu stellen, zum Beispiel über die Schule, das Familienleben, den Besuch der Kirche. Die ganz Mutigen können natürlich gleich anrufen, aber da sollte man die Zeitverschiebung nicht vergessen, denn die USA hat immerhin mehrere Zeitzonen. Sonst erlebt man später böse Überraschungen.
Gepäck und Gastgeschenk
Jetzt musste ich mir nur noch Gedanken machen, was ich alles mitnehmen wollte. Das war keine leichte Aufgabe. Es ist besser, nicht zu viele Klamotten mitzunehmen, da sie in den USA viel günstiger sind und man sich ja früher oder später den lokalen Modeerscheinungen anpasst. Auf keinen Fall sollten Stifte und Schulsachen, zum Beispiel ein Taschenrechner, fehlen. Wer ein bestimmtes Hobby hat, wie z.B. ein Musikinstrument spielen, sollte sich um die Mitnahme kümmern und sich über die aktuellen Gepäckbestimmungen unterrichten.
Wichtig ist ebenfalls ein Gastgeschenk, deshalb sollte man sich vorher - wenn möglich - über die Interessen der Familie informieren. Sehr beliebt sind natürlich typische Produkte der Heimatgegend, zum Beispiel eine Kuckucksuhr. Keine Angst, Amerikaner mögen so etwas.
Ich entschied mich, ein richtig großes Fotoalbum zu erstellen, mit Bildern aus meiner Gegend, von Denkmälern und Landschaften. Außerdem fügte ich Postkarten hinzu. Dieses Geschenk kam übrigens sehr gut an. Dann erstand ich zwei Bildbände mit englischen Untertiteln von meiner Gegend, was natürlich leicht war, da ich aus einer Urlaubsregion komme. Allerdings sind solche Bücher fast überall erhältlich. Zur Krönung kaufte ich einen Riesenvorrat an Schokolade, Überraschungseiern und Kaffee, da gerade Schokolade und Kaffee in den USA nicht gerade von guter Qualität sind, so dass sie sehr beliebte Geschenke aus Deutschland darstellen.

