Kompliziert und fern der Heimat
Wie bereits ersichtlich, sind die Informationen vieler amerikanischer Jugendlicher über den Rest der Welt äußerst lückenhaft. Wegen der großen Entfernungen der übrigen politischen Zentren der Erde haben Nachrichten aus anderen Regionen einen exotischen Charakter, und man spürt das Zusammenwachsen mittels Satelliten etc. sehr wenig, höchstens am Fernsehbildschirm.
Ein vorrangiges geopolitisches Thema und relativ genaue Vorstellungen über eine Nation lassen sich allerdings finden: Weltfrieden und die Bewohner der Ex-UdSSR, insbesondere Russen. Auch amerikanische Jugendliche begreifen die Gefahr und Zerstörungsmöglichkeiten durch Atomwaffen, sind aber gegenüber "Russen" zumeist doch reserviert. Viele sehen eine Bestätigung der Richtigkeit der amerikanischen Ideale von Freiheit und Demokratie im Zusammenbrechen des Ostblocks, was aber eine gewisse einfache Gut-Böse-Klassifizierung unterstützt. Es gibt öfters in den Massenmedien Berichte über Not und Elend in den ehemaligen Staaten der UdSSR, die politisch gesehen in den Köpfen mancher Highschool-Schüler die richtige Position der USA bestätigen, sie jedoch menschlich tief treffen. In diesem Zusammenhang ist man den "Russen" gegenüber immer noch skeptisch.
In anderen geopolitischen Bereichen, z.B. Balkankonflikt, Dritte Welt, Naher Osten usw. sind die meisten Jugendlichen schon wegen mangelnder Informationen kaum interessiert und wissen wenig über diese Zusammenhänge. Interessant werden solche Themen erst dann, wenn eine amerikanische Beteiligung, wie im Golf-Krieg, auszumachen ist, oder wenn es direkte innenpolitische Ziele der USA (wie bei Flüchtlingen aus Kuba und Haiti) betrifft. Allgemein lässt sich ohne Überheblichkeit feststellen, dass mit steigender Kompliziertheit eines Themas und mit größerer Entfernung eines Landes dessen Rolle im Bewusstsein bei Jugendlichen abnimmt. Wenn das Thema dann ohne irgendwelche Sensationen und nur schwer in ein Schema von Gut und Böse einzuordnen ist, verliert es fast ganz an Bedeutung.
Es gibt aber auch Gegenbeispiele. Wie erwähnt gibt es in amerikanischen Highschools die Einteilung in "normale" und Fortgeschrittenen-Klassen, und somit kam es dazu, dass in einer solchen Fortgeschrittenen-Klasse in Geschichte eine sehr tiefe Diskussion über sozialpolitische und religiöse Themen über Deutschland und Europa zustande kam.
Die Themen umfassen hier im Rahmen eines Vergleiches mit den amerikanischen Gegebenheiten das soziale Versicherungsnetz Deutschlands, die Fragen der deutschen Einheit, Asyl- und Umweltpolitik und auch Fragen der inneren Sicherheit und Kriminalität. Natürlich muss man selbst über solche Themen nicht tiefgreifend unterrichtet sein, aber als Gastschüler sollte man auch Kenntnisse über das eigene Land mitbringen.
In diesem Zusammenhang wird oft empfohlen, sich z.B. auch in Goethe-Instituten oder ähnlichen Einrichtungen über grundlegende Themen zu informieren. Die Chance, tatsächlich danach gefragt zu werden, ist zwar gering, aber man kann sich sonst schön blamieren.
Demgegenüber muss man sich auf einfache Fragen wie etwa nach dem Preis einer Dose Bier nicht unbedingt vorbereiten. Wie bereits erwähnt, kann man hier auch gut auf kleinere "Demonstrationsobjekte" zurückgreifen (Münzen oder Scheine, Personalausweis usw.), um das eigene Land den Klassenkameraden näherzubringen.

