Fechtszene in der Pause

Samstag, 18. November
Das gute Wetter mit Sonnenschein und 15 ºC sollte zu einem Ausflug genutzt werden, meinte Mr. Baxter und setzte als Ausflugsziel gleich "Petit Jean State Park" fest, etwa eine Autostunde von Little Rock entfernt.
Die Bauten des Parks entstanden im Rahmen des Arbeitsbeschaffungs-Programms F.D. Roosevelts in den dreißiger Jahren. Besonders interessant war hierbei das Petit-Jean-Automuseum mit einigen Exemplaren aus der Rockefeller-Sammlung. Ferner konnten auch alte, funktionsfähige mechanische Spielautomaten aus den fünfziger und sechziger Jahren mit 25-Cents-Münzen ausprobiert werden. Im kleinen Museumsshop kaufte ich schließlich Kopien einiger historischer Dokumente der USA, so Reproduktionen der Verfassung und der Unabhängigkeitserklärung. Neben diesen antik aussehenden Schriftstücken waren weitere Kuriositäten wie Originalfotos und Zeitungen aus den vierziger und fünfziger Jahren zu erstehen; der Laden war eine echte Fundgrube.

Dienstag, 21. November
Nach einem recht langweiligen Schultag waren meine Gastfamilie und ich von meinem Träger nach Jacksonville zum Rollschuhlaufen eingeladen. Rollschuhe fand ich schon immer lebensbedrohlich und versuchte mich geschickt aus dem Geschehen herauszuhalten, was dann doch nicht ganz gelang. Es war ein kleines Wunder, dass weder die Einrichtung noch ich selbst einen Schaden erlitten.

Mittwoch, 22. November
Die Schule bot heute reichlich Abwechslung, da während der ersten Stunde die ersten Vierteljahreszeugnisse ausgeteilt wurden. Ich hatte in jedem Fach bisher eine A erreicht, worauf ich wirklich stolz war.
In der zweiten Stunde wurde ich überraschend vom Direktor gerufen, um der Arkansas Gazette, der größten Tageszeitung in Arkansas, ein Kurzinterview über das Austauschschüler-Dasein und über Deutschland nach dem Fall der Mauer zu geben. Obwohl dieser Artikel nur im Feuilleton erscheinen sollte, war ich wirklich über das Interesse der Amerikaner hocherfreut.
Zurück im Englischkurs trug ich schließlich mein Referat über die Architektur der Kolonialzeit vor.

In der dritten Stunde stand bei Coach Daniel wieder einmal ein Health-Test auf dem Programm; da er aber alle fünfzig Ankreuzfragen mit uns in der letzten Stunde durchging, war die "Belastung" nach etwa zehn Minuten vorüber.
Zur Entspannung wurde ich von der vierten Stunde bei Coach Walters befreit, musste aber bei der Schlussprobe unseres selbstgeschriebenen Theaterstückes mit dem Französischkurs anwesend sein. Das Stück wurde anschließend in der Mittagspause vor großem Publikum aufgeführt. Obwohl das Stück auf Französisch vorgetragen wurde und die meisten Schüler kein Wort verstanden, zeigten sie mit unserer Interpretation von Victor Hugos "Die Elenden" sehr zufrieden. Mit Hilfe der Französischlehrerin, Mrs. Cross, setzten wir die wichtigsten Stellen ins Bild, wobei ich die Verbindungsnarration schrieb und auch vortrug. Am besten kamen aber wohl die selbstentwickelten Fechtszenen an. Zum "Lohn" war die siebte Stunde dann dem Feiern gewidmet.