Als deutscher Kulturbote
Mittwoch, 1. November
Gleich zum Auftakt dieses Monats nahm ich eine besondere Aufgabe an: Mr. Nation, ein jüngerer Referendar bei Coach Black, unterrichtete uns seit Anfang des Jahres öfter in World History. Vor etwa einer Woche hatte er mir dann den Vorschlag unterbreitet, ob ich nicht Lust hätte, auf einer Junior-High-School, einer Schule, die bis zur 9. Klasse führt, einen Tag lang seinen Schülern Deutschland vorzustellen. Er war im Bereich Geschichte und Politik auch an einer Junior-High-School tätig, und ein solcher Vortrag hätte gerade gut zu seinem jetzigen Thema gepasst.
Ich sagte natürlich sofort zu, und statt zu meiner Klasse fuhr ich an diesem Mittwoch mit Mr. Nation zu seinen Junior-High-Schülern.
Die erste Stunde verlief gleich chaotisch, da ich kein Konzept mit Mr. Nation vereinbart hatte. Allerdings waren er und der reguläre Klassenlehrer, Mr. Tippen, immer mit Hilfsfragen dabei, falls keine vernünftigen Fragen von der Klasse kamen oder mir die Ideen ausgingen. Nach den ersten zwei Stunden hatten sich bestimmte Themenbereiche herauskristallisiert, an denen die Fünfzehn- und Sechzehnjährigen interessiert waren. So ließ ich lange geographische und politische Ausführungen, die Mr. Nation im Grunde gewollt hatte, weg, und setzte dafür mehr Informationen zum Beispiel über mich oder über die Lebensweise in Deutschland an.
Interesse weckten immer Themen wie Autos, Autobahnen, Führerschein in Deutschland, Schulsystem, Abitur und Reisen in Europa, aber auch Geschichte.
Besonders toll fanden die Schüler konkrete Dinge, Sachen zum Anfassen, wie deutsche Geldscheine, meinen Führerschein, Personalausweis etc. (s. auch Amerika - aus europäischer Sicht).
In der Mittagspause hatte ich das "Privileg", in der Lehrerkantine tafeln zu dürfen. Zu diesem Zeitpunkt schien sich bereits herumgesprochen zu haben, dass bei Mr. Tippen mal kein Kurs stattfand, sondern jemand mit ausländischem Akzent alle möglichen Dinge über Deutschland und Europa erzählte. Aus diesem Grund führten wir die Gespräche auch in den Pausen weiter. Es freute mich sehr, dass es mir gelang, die Schüler für weit entfernte Themen zu interessieren.
Zu Ende der siebten Stunde konnte ich kaum noch reden, dachte aber, dass dieser Tag doch allen etwas genützt hätte.
Die Erholung war übrigens nach diesem anstrengenden Tag gesichert, da sich vier freie Tage anschlossen.
Meine Gastfamilie nutzte diese Zeit zu einem Ausflug nach New Orleans in Louisiana.

