Deutsch als Amtssprache?
Viel Wirbel um Muehlenberg
Das Gerücht hält sich hartnäckig wie die Pest: anno dazumal sei es in den frischgebackenen Vereinigten Staaten um ein Haar dazu gekommen, das Deutsche als Amtssprache aufzunehmen. Die eine Stimme, die das verhinderte, sei ausgerechnet von einem Deutschen namens Muehlenberg gekommen. Bekannt ist die Geschichte allerdings nur in Deutschland.
Wie viel Wahres ist also an der Legende? – Richtig ist, dass 1794 eine Gruppe deutscher Einwanderer aus Virginia beim US-Repräsentantenhaus eine Petition einreichte, um eine deutsche Übersetzung der Gesetzestexte zu erzwingen. In einer Abstimmung des Repräsentantenhauses wurde der Antrag mit 42 zu 41 Stimmen abgelehnt. Ein Muehlenberg war tatsächlich in die Geschichte verwickelt: Es handelte sich um den deutschstämmigen Sprecher des Repräsentantenhauses, der sich der Abstimmung enthalten hatte, aus seinen Gefühlen jedoch keinen Hehl machte und forderte, dass die Deutschen so schnell wie möglich Englisch lernten, um zu „richtigen Amerikanern“ werden zu können.
Die deutschen Siedler sahen sich brüsk vor den Kopf gestoßen und wandelten die Geschichte im Laufe der Generationen fantasievoll ab, so dass tatsächlich irgendwann die Runde machte, dass Deutsch beinahe zur Amtssprache der gesamten Vereinigten Staaten geworden sei. Welche Spuren hat die deutsche Sprache aber tatsächlich hinterlassen?
Sehen wir uns mal auf dem Oktoberfest um. Da! Ein lederhosengewandeter US-Amerikaner, unverkennbar am unvermeidlichen Baseballkäppi. „Frollein! Another pils, some schnapps, and bratwurst, sauerkraut and pretzels!“ Das ist doch der Beweis! Die deutsche Sprache scheint sich immer mehr durchzusetzen! Oder?
Weit gefehlt. Zwar waren die Deutschen zu Anfang des 19. Jahrhunderts tatsächlich zahlreich, nämlich bis zu einem Drittel, im Staat Pennsylvania vertreten; in der Gesamtbevölkerung machten sie um 1830 aber lediglich neun Prozent aus.
Nichtsdestotrotz haben unzählige deutsche Ausdrücke ihren Weg in die englische Sprache gefunden; von solchen mit unangenehmem Beigeschmack wie blitzkrieg, panzer oder herrenvolk über kulinarische Ausdrücke wie strudel, knackwurst, pumpernickel, leberwurst oder lebkuchen bis hin zu Wörtern, die an die deutsche Geselligkeit erinnern: gemuetlich, coffee-klatsch, dirndl, fest, lied, concertmeister, glitz. Klar, dass das Land der Dichter und Denker auch im akademischen Bereich seine Spuren hinterlassen hat: bildungsroman, doppelganger, weltschmerz, angst, wunderkind, zeitgeist.
Und welcher US-Amerikaner kennt nicht das verlockende deutsche Wort autobahn, die Verheißung eines enormen fahrvergnuegens ...
Auch der kindergarten bereichert den tagtäglichen Wortschatz, wenn das Wort in den USA auch lediglich die Vorschule meint, die letzte Altersstufe vor der Grundschule. Der deutsche Kindergarten dagegen wird als Nursery school oder preschool bezeichnet.
Sogar ganze Ausdrücke gingen ins Amerikanische ein: "What gives?", "often times" u. Ä.
Eines der meistbenutzten Wörter im alltäglichen Leben ist übrigens deutsch: "Dollar", lautmalerisch von "Taler". Hört der Amerikaner ein langes "a", so nimmt er an, dass dort ein "o" geschrieben werde. Voilà.
Aufruf: Wessen Adlerauge erspäht weitere deutsche Wörter der amerikanischen Alltagssprache?


Kommentare
Deutsche Ausdrücke in Amerika
"Gesundheit" ist definitiv, hier wo ich gelandet bin, in Arizona, ein ziemlich weit verbreiteter Ausdruck. Am Anfang war ich ziemlich überrascht, aber jetzt habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, immer "Gesundheit" anstatt von "bless you" zu rufen. Man muss doch auch mal zeigen, woher man kommt. =] Hier in Tucson, Arizona, können übrigens ziemlich viele Leute wenigstens ein bisschen Deutsch sprechen. "Guten Tag" oder einfache Sätze bringen viele zustande. Denn, viele Männer waren einige Jahre mit dem Militär in Deutschland stationiert und haben dann da halt gelebt. Und ich finde, es hört sich megasüß an, wenn Amerikaner versuchen, Deutsch zu reden =].
Tradition oder Gag?
Ein Shampoo bitte ...
Hallo Inga, das kann ich mir kaum vorstellen, Du brauchst also gar kein Englisch zu sprechen?
Das war natürlich nicht ernst gemeint, aber trotzdem möchte ich gern wissen, ob die deutsche Sprache eher als Gag hängengeblieben ist (weil sie sich ein wenig lustig anhört), oder ob die Familien zu Hause auch deutsche Begriffe benutzen.
Kommt man in einem Supermarkt mit der deutschen Ansage: " Ein Shampoo bitte" , wirklich durch?