Das neue Zuhause

Da ich noch die Vorstellung meiner Gastfamilie schulde, soll dies hier nachgeholt werden:

Ein Familienoberhaupt im Sinne des Wortes würde man vergeblich suchen in der Baxter-Familie. Mein Gastvater, Donald S. Baxter und meine Gastmutter, Nancy Baxter, beide Mitte vierzig, gestalteten das Familienleben gemeinsam. Mr. Baxter, wie ich ihn von nun an nennen möchte, ist groß, stattlich gewachsen und war bei Delta Airlines in einer Position mit dem wohlklingenden Namen Senior Customs Officer seit nunmehr fast dreißig Jahren beschäftigt. Mrs. Baxter, von eher zierlicher Figur, war als freiberufliche Grundstücksmaklerin tätig. Offenheit und Freundlichkeit meiner Gasteltern beeindruckten mich von Anfang an, und ich glaube, dass sie zu den nettesten Menschen gehören, die ich bisher kennengelernt hatte.

Um die Reihenfolge, in der ich meinen drei Gastgeschwistern Susan, Peter und Brigitt zum erstenmal begegnet bin, einzuhalten, muss ich mit der jüngeren Tochter der Familie anfangen.

Susan wurde kurz nach meiner Ankunft fünfzehn Jahre alt und steckte zu der Zeit gerade mitten in der Pubertät, eine Zeit, zu der Freundschaft außerhalb des Elternhauses oft mehr bedeutet als die Familie. Sie war attraktiv und schien sich dessen genau bewusst zu sein. Die Clique, der sie angehörte, bestand aus Fünfzehn- bis Sechzehnjährigen, die ich als typische amerikanische Teenager bezeichnen würde, zumindest bezüglich Vorstellungen, Gewohnheiten und dem Lebensstil nach dem Motto "möglichst viel Freiheit und Freizeit und möglichst wenig Regeln".

In sozialer Hinsicht gehörten sie oft der guten bürgerlichen Mittelschicht an, mit Familien, in denen die Eltern sich leisten konnten, ihren Kindern ein neues Auto zum sechzehnten Geburtstag zu schenken. Unsere Beziehung entwickelte sich etwas merkwürdig, da ich die Rolle eines Art "europäischen Vorzeigebekannten", die sie mir am Anfang zugedacht hatte, nicht mit Begeisterung spielen wollte.

Diese anfängliche Schwierigkeit wurde jedoch bald überwunden, und wir wurden gute Freunde.

Als ich am Abend des 19. August aus dem Flugzeug stieg, war übrigens Susan die erste, die ich bemerkte. Sie stand mit meiner Gastmutter am Gate und hielt ein Willlkommensschild mit meinem Namen in der Hand.