Land der Hinterwäldler?

Eigentlich verliefen die ersten Tage in den Staaten recht entspannt, aber ich habe unzählige neue Leute kennen gelernt. Manchmal fiel es mir schwer, alle Namen zu behalten und die Personen richtig einzuordnen. Außerdem wurden mir tausende Fragen gestellt, wobei es natürlich besonders wichtig war, immer sehr höflich und freundlich zu sein, da Amerikaner diese Werte am meisten schätzen. Eine Frage hat mich dabei besonders verwundert. Der Vater eines Freundes von Amanda wollte wissen, ob ich wirklich Deutsch sprechen könne. Das sind Ereignisse, an die man gerne zurückdenkt.

Doch nun zum ersten Morgen in meinem neuen Zuhause. Amanda und Tammy waren zur Arbeit gegangen; dafür wurde ich freundlich von Gary und Andrew begrüßt, obwohl ich wohl für ihre Verhältnisse etwas lange geschlafen hatte. Nach dem Frühstück, das die anderen eher als Mittagessen ansahen, machten wir uns auf, um uns um die Pferde zu kümmern. Das hat mir immer am meisten Spaß gemacht, da es auch in Deutschland zu meinen größten Interessen gehörte. Es gibt natürlich stets eine Menge zu tun. Bei der Arbeit hatte ich die Möglichkeit, die beiden besser kennenzulernen. Dabei habe ich ziemlich viel über Westernreiten gelernt, womit ich früher noch nie etwas zu tun gehabt hatte.

North Dakota ist, wie man sich vorstellen kann, ein sehr ländlicher Bundesstaat, in dem die Menschen vor allem von Ackerbau und Viehzucht leben. So hatte auch Garys Bruder eine Farm in der Nähe von Thompson, die ich an diesem Tag kennengelernt habe, was sehr interessant war. Ich war vielleicht etwas überrascht, denn ich hatte mir das Leben eines echten Farmers etwas anders vorgestellt. Nun habe ich mehr Ahnung davon und brauche die vielen Vorurteile der anderer Amerikaner gegenüber Einwohnern von North Dakota nicht zu glauben. Es gilt nämlich als der hinterwäldlerischste Bundesstaat, wenn man das so ausdrücken kann, was Hintergrund einiger Witze ist – genau wie das Klima dort. So ist dieser Staat auch ein beliebtes Opfer von Jay Lenno.

Ein besonderes Gesetz

Zu dem Thema muss ich noch schnell eine kleine, lustige Episode erzählen. Es gibt in North Dakota ein Gesetz, wohl noch aus dem 19. Jahrhundert, das besagt, dass männliche und weibliche Personen, die unverheiratet zusammenleben (zum Beispiel in einer gemeinsamen Wohnung), kein sexuelles Verhältnis haben dürfen. Unvorstellbar für europäische Verhältnisse. Ich stellte mir zudem immer die Frage, wie man das denn kontrollieren wolle. Tammy hat sich stets darüber lustig gemacht. Während meines Austausches sollte dieses Gesetz außer Kraft gesetzt werden, doch es kam nicht dazu, da die Mehrheit fehlte. Bei "Jay Lennos Tonight Show" wurde das so richtig ausgeschlachtet.
Überhaupt gab es in North Dakota jede Menge merkwürdige Gesetze aus dem 19. Jahrhundert, die noch in Kraft waren. So durfte man zum Beispiel einen Indianer, der einem ein Rind gestohlen hatte, auf seinem eigenen Baum erhängen.

Am Abend dieses Tages gab es ein Barbecue, und ich wurde quasi den Freunden der Familie vorgestellt. Ich kann nur immer wieder betonen, wie nett und herzlich ich von allen aufgenommen wurde. Gerade das hat meinen Aufenthalt unvergesslich gemacht.
Ich stellte mir in den ersten Tagen stets die Frage: Wie soll ich mir bloß die ganzen Namen merken? Tammy meinte, das sei überhaupt kein Problem und ich werdebald in das verrückte Leben der Familie passen. Ich hatte keine Ahnung, was sie damit meinte.