Bildungsphilosophie im Vergleich
In Europa führten Ende des 19. Jahrhunderts die meisten führenden Staaten die Schulpflicht mit öffentlichen Schulen und Bildungseinrichtungen für breite Bevölkerungsschichten ein, und zwar unter der zentralen Fuchtel der jeweiligen Regierung durch Kultusministerien o.ä. Nachgeordnete Behörden überwachten den Betrieb bis hin zu den lokalen Schulbehörden und sorgten für Einhaltlichkeit und Qualität. Das Unterrichtspersonal, also Lehrer meist, bestand aus Beamten, Staatsdienern.
Hauptgrund war es, einen allgemeinen, landesweit gültigen, verbindlichen Wissenskanon zu haben, um mit anderen Ländern konkurrieren, besser noch die Oberhand über sie - zumindest wirtschaftlich - gewinnen zu können. Schließlich ging es in der zweiten Hälfte des 19. Jh. auch noch um die Eroberung der letzten interessanten "freien" Flecken auf der Erdkugel, als künftige Kolonien natürlich. Frankreich riss sich den Maghreb unter den Nagel; Deutschland setzte sich in Afrika und Asien fest.
Dieses Streben nach Wettbewerbsfähigkeit entfiel jedoch in den USA, denn nach Süden hin gab es nur Mexiko, was kein Konkurrent war. Mexiko hatte zudem im 1846-1848 von von den USA angezettelten Krieg einen Riesengebietsverlust erlitten, insgesamt 1,36 Mio. km² (BRD: knapp 356.000 km²): Kalifornien, Arizona, Nevada, Utah, Texas, Neumexiko sowie einen Teil Wyomings. Ein armes, geschlagenes und gedemütigtes "Entwicklungsland" also. Viele Western lassen ahnen, wie die Amerikaner über Mexiko denken oder zumindest dachten. Ebensowenig war das dünnbesiedelte Kanada im Norden ein Konkurrent. Dessen Wirtschaft war großteils von den Vereinigten Staaten abhängig.
Angesichts der vielen Einwandererkinder wurde die Schule als integrationsstiftende Einrichtung betrachtet, die der Herausbildung einer "besonderen" amerikanischen Nation dienen sollte.
Aufgabe war die "Amerikanisierung" der Ausländer- bzw. Einwandererkinder, die selbst oder deren Eltern grundsätzlich aus allen Teilen der Welt stammen konnten und die auch ganz unterschiedliche Voraussetzungen hatten.
Die Schule als kostenlose, öffentliche Einrichtung garantierte jedem Kind, jedem jungen Amerikaner, eine Ausbildung. Sie war der wichtigste "Schmelztiegel" der Gesellschaft, denn wo lassen sich künftige Staatsbürger leichter und besser formen als in der Schule, in jungem Alter?
Es reichte, wenn sie vornehmlich grundlegende Fähigkeiten vermitteln konnte, um verantwortungsbewusste Staatsbürger heranzuziehen.
A propos "Tiegel" So ganz stimmte die Sache natürlich nicht, denn es wurden nicht alle in einen "Pott" geworfen. Es gab zumindest zwei getrennte Tiegel, einer davon nichtweiß ...
Was die Inhalte betrifft, so ist der Redaktion ist bislang nicht klar, wer genau in den Gremien sitzt, die darüber befinden, würde diesen Punkt aber gerne ausbauen und bittet zum Zuschriften.
Bei uns sitzen Vertreter aus allen möglichen gesellschaftlichen Bereichen in den Kommissionen, von den Gewerkschaften, Unternehmerverbänden, Pädagogen bis hin zu solchen, die dort eigentlich laut Verfassung nichts zu suchen haben, wie den Kirchen - und treffen Entscheidungen über die Inhalte. Nach dem Grundgesetz der BRD muss der Staat, was Religionen betrifft, neutral sei, ist es aber nicht, was sich immer mehr als Schuss ins Bein erweisen wird.

