Luxus pur beim Abschluss

Dienstag, 20. März
Als einen erneuten kulturellen Höhepunkt meines Aufenthaltes besuchte ich mit meiner Gastfamilie die einzige Vorführung des Musicals "West Side Story" mit der damaligen Original-Broadway-Besetzung in Little Rock. Es war natürlich ein großartiges Erlebnis, das den recht hohen Eintrittspreis von 15 $ wert war. Nebenbei hatte ich auch ein Thema für meinen culture report in der Englisch-Klasse.

Donnerstag, 29. März
Die Zeit ab Ende März bis zum Ende der Schule wird dem Highschoolabschluss gewidmet. Da dieser Donnerstag der erste Tag der Osterferien war, nutzen Peter und ich den Vormittag, um für das Prom erste Vorbereitungen zu treffen.
Prom steht in den USA für den Abschlussball, ein großes gesellschaftliches Ereignis.
Zugelassen sind nur Schulabgänger und ihre Begleitung, wobei diese natürlich auch aus einer anderen Jahrgangsstufe oder auch von einer anderen Schule kommen dürfen.
Der Bedeutung des Prom entsprechend sind gewisse Vorbereitungen zu treffen, die auch eine abgefederte Brieftasche erfordern. Hierbei sind Jungen zunächst besser gestellt als Mädchen, da sie die Möglichkeit haben, ihre "Garderobe" zu mieten, wohingegen Mädchen ihr Abendkleid fast immer kaufen müssen. Das kann sich rasch auf 170 bis 200 $ und mehr belaufen, zuzüglich weiterer Accessoires wie Strümpfe, Schuhe, Schmuck etc.

Peter und ich fanden uns also an besagtem Donnerstag in einem Kostümgeschäft ein, wo wir nach längerem Stöbern in verschiedenen Katalogen schließlich unsere Modelle heraussuchten. Peter bestellte einen Smoking, in den USA als "tuxedo" bezeichnet, ganz in Weiß, sowie weiße Lackschuhe zu insgesamt 80 $. Ich entschied mich für einen Smoking in der Kombination weißes Jackett und schwarze Hose, was sich ohne Schuhe auf 42 $ belief. Diese Preise bedeuteten selbstverständlich nur die Miete für zwei Tage inkl. Reinigung, Cummerband (ein Band aus Seide um die Hüfte, meist in der Farbe des Kleides der Partnerin), Hemd und Manschettenknöpfe. Die Anzahlung von 10 $ war gleich zu leisten. Unsere maßgeschneiderten "tuxedos" konnten wir dann am Tag vor dem Prom abholen.
Passende Kleidung ist natürlich nur ein Punkt auf der Promliste.
Weiterhin müssen die Eintrittskarten gekauft werden (für zwei Personen 24 $ in meinem Fall).

Ein weiteres Muss sind die sogenannten Corsages. Diese Blumenarrangements werden in jedem Blumenladen angeboten. Dabei können Jungs ihrer Begleitung eine Corsage entweder für das Kleid zum Anstecken oder für das Handgelenk, mit einem Band versehen, bestellen. Die farbliche Komposition ist natürlich sehr wichtig. Die Preise liegen ab 12 $ aufwärts. Die Mädchen schenken den Jungen meist eine kleinere Blume zum Anstecken an das Jackett. Die rote Rose, die ich damals bekam, habe ich übrigens heute noch.

Zum Prom gehört noch ein Abendessen in einem vornehmen Restaurant und oft, je nach Beziehung zum Partner, auch ein Zimmer in einem Hotel der höheren Preisklasse, Frühstück inbegriffen. Um dann auch noch die Fahrtwege möglichst angenehm zu gestalten, kann eine Limousine mit Chauffeur und Bar bestellt werden; ab 80 $ - pro Stunde, versteht sich.
In diesem Zusammenhang erfuhr ich, dass man sein Prom so auch als Luxus pur gestalten kann. Eine Freundin meines Freundes Jeff in St. Louis ließ sich ihr Prom letztlich über 800 Dollar kosten - und Jeff durfte ihr Begleiter sein. Wie man sieht, ist Schulabschluss in den USA tatsächlich etwas Besonderes.