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Am Flughafen in Grand Forks

So, nun konnte es richtig losgehen. Ich stand kurz vor der Abreise und damit vor dem schwersten Teil meiner Vorbereitungen, denn ich musste mich von meiner Familie und meinen Freunden verabschieden. Der Abend vor meinem Abflug verlief recht traurig, und ich zweifelte, ob ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. In diese Situation wird jeder Austauschschüler einmal kommen. Das ist nichts Negatives, es gibt eben Höhen und Tiefen, man muss nur weitermachen. Es ist auch nicht zu verleugnen, dass man während seines Aufenthaltes Heimweh haben wird.

Schwer war für mich der Punkt am Flughafen, als ich alleine durch die Absperrung gehen musste und meine Familie zurückblieb. Erst in zehn Monaten würde ich sie wiedersehen. Damals war das für mich eine sehr lange Zeit, aber wenn ich heute daran zurückdenke, ist sie äußerst schnell vergangen.

Im Flugzeug hatte ich zum Glück Gesellschaft durch viele andere Austauschschüler, mit denen ich eine Menge Spaß hatte. Das hat meine Reise viel entspannter gemacht, da wir nicht viel Zeit hatten, darüber nachzudenken, was uns denn nun genau erwartet, obwohl unsere Gespräche immer wieder in diese Richtung gingen. Außerdem war unsere Reise recht lang: Zuerst ging es von Berlin nach Amsterdam und von dort nach Memphis, Tennesee. Dort trennte sich unsere Gruppe, und jeder flog zu seiner Familie.

Für mich ging die Reise alleine weiter, zuerst nach Minneapolis und dann nach Grand Forks, North Dakota. Es war für mich nicht leicht, alleine durch ein fremdes Land zu fliegen, und außerdem überkamen mich allerlei Ängste. Ich stellte mir zum Beispiel die Frage, ob meine Gastfamilie mich überhaupt vom Flughafen abholen würde. Im Nachhinein war das natürlich ziemlich dumm, aber irgendwie hat man doch immer das Gefühl des Ungewissen, was ganz natürlich ist.

Feuerprobe für mein Englisch

Am internationalen Flughafen von Minneapolis hatte ich eine nette Unterhaltung mit einem Ureinwohner von Grand Forks, wenn man das so sagen darf, der mich gleich über die Vorzüge meiner neuen Heimatstadt aufklärte. Zu diesem Zeitpunkt hörte ich zum ersten Mal von dem grandiosen Hockeyteam der University of North Dakota. Später würde ich herausfinden, dass das Lob wirklich stimmte. Auf alle Fälle hat mich dieses Gespräch sehr aufgemuntert, es war ja quasi auch die Feuerprobe für mein Englisch, das ich so mühsam in der Schule gelernt hatte.

Schließlich kam ich in Grand Forks an. Voller Erwartungen und Zweifel stieg ich aus dem Flugzeug. Ich hatte übrigens auch Angst, meine Familie auf einem großen Flughafen vielleicht gar nicht zu finden. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass der Grand Forks International Airport nur zwei Gates hatte und sich nur "international" nennen durfte, weil dort ab und zu ein Flieger nach Kanada abhob. So haben sich diese Überlegungen erübrigt, da ich meine Gastfamilie gleich nach dem Verlassen des Sicherheitsbereichs erblickte.
Da standen Gary, Tammy, Amanda und Andrew mit einem riesigen Schild, „Welcome Laila“, das man praktisch nicht verfehlen konnte. Außerdem hatten sie ein riesigen Luftballon mit der gleichen Aufschrift. Ich war wirklich völlig überrascht. Gleich wurde ich von allen in den Arm genommen und sehr herzlich empfangen. In diesem Moment war ich wohl einfach nur glücklich und froh, dass sich meine Ängste erst einmal nicht bestätigt hatten.

Außerdem war meine neue Betreuerin Barb da, die mich auch sehr herzlich empfing. Sie war meine Ansprechpartnerin für eventuelle Probleme. Von ihr erhielt ich auch ein Gastgeschenk, und zwar einen USA-Teddybär, der mir für das nächste Schuljahr als Glücksbringer dienen sollte.