Der zweite Tag als Gast

Unmengen von Kuchen

Typisch Amerika

Ich denke, ich sage mindestens 10mal täglich: Typisch Amerika. Es ist auch typisch Amerika. Wir laufen durch eine große Shoppingmeile und es glitzert überall. Ganze Geschäfte sind in einzelnen Farben gehalten, über dem Eingang steht zum Beispiel: Life is pink, pink is life. Daran wird sich in dem Geschäft auch gehalten. Alle jungen Damen laufen in pink herum, das ist schon etwas. Die riesige Halle, die zum Ausgang zeigt, ist gefüllt mit Fastfood-Restaurants. Eines neben dem anderen. Es gibt Chinese-Food, Mexican-Food, Italian-Food, usw. Natürlich sind dies alle Schnellrestaurants, keine Läden, in denen man eine Stunde oder länger sitzt, isst und Wein trinkt. Überall sitzen ziemlich dicke Leute herum und versuchen, sich noch mehr Kilos anzuessen. Enorm.

Aber eigentlich geht es um etwas anderes in diesem Abschnitt. Und zwar ist es wirklich alles sehr anders als zu Hause in good old Germany und man ist geneigt, Vergleiche anzustellen. Diese Vergleiche können besonders dann schnell zur Sprache kommen, wenn man mit dem Gastschüler spricht. Ich habe mich dabei erwischt, Vergleiche mit unserem Alstertal-Einkaufszentrum anzustellen und mich dann ganz schnell wieder gestoppt. Denn natürlich ist das völlig fehl am Platze. Auf keinen Fall darf man als Gast hier etwas „schlechtreden“. Das gehört sich nicht und der Gastschüler ist sofort versucht, sich und „sein Land“ zu rechtfertigen. Schließlich ist es seine Familie und sein Land (zur Zeit). Ein reelles Diskutieren ist hier nicht gut möglich und auch nicht angebracht.

Merke: Der Gastschüler hat die Intentionen und die Denkweise seiner Familie bereits in seiner Blutbahn. Hier ist Rücksicht und Vorsicht angesagt.

Jedes Wort vorher im Geiste drehen und wenden. Erst dann sprechen. In unserem Land überlegt niemand, ob man zum Chinesen oder lieber in`s Blockhouse geht. Der Weg führt in das nächste Fast-Foodrestaurant und wenn es zum dritten Mal in der Woche ist. Über das Essen in Plastikschüsseln und den Getränken in Pappbechern wird allerdings nicht diskutiert. Die Pommes und der Burger werden gelobt und gepriesen.
Übrigens wird hier sehr viel Essen weggeworfen, denn es wird ja auch in großen Mengen eingekauft. Das kann nicht vollständig gegessen werden. Ist eine Gurke schrumpelig, kommt sie eben in den Müll.

Apropos Müll: Konkrete Mülltrennung gibt es nicht, soviel ich gesehen habe. Zwar gibt es Recyclinghöfe, diese scheinen aber andere Aufgaben als die Aufbewahrung und Sortierung zu haben. Zarte Ansätze gibt es in den Flughäfen, denn dort soll man Plastik, Papier und sonstigen Müll trennen.

Schaut man in einen Mülleimer in dem Gasthaus oder im Bahnhof, so sieht man Glas, Papier, Windeln, Glühbirnen, alles eben durcheinander.

Bereiten Sie sich gut darauf vor, denn es wird Aufruhr geben. Ich sitze hier in Amerika, live und in Farbe und weiß jetzt schon, was auf mich zukommt. Wir sind spießig in Deutschland, richtig spießig. Wir ziehen die Schuhe aus, wenn wir zuhause ankommen, das ist in Amerika nicht üblich. Wir staubsaugen fast täglich, denn es könnte ja Besuch kommen, wird in Amerika nicht getan, denn es kommt kein Besuch, die Menschen leben sehr für sich. Wir essen nach Möglichkeit alle zusammen, das ist hier anders, wer Hunger hat, kann sich etwas nehmen, wenn gerade alle Hunger haben, kann man auch einen Moment zusammensitzen. Wenn wir Besorgungen machen, prüfen wir, was alles gebraucht wird. Hier in Amerika ist es durchaus üblich, fünf- oder sechsmal die Garage zu verlassen. Mit dem Auto natürlich, die Wege sind zu weit, um anders an ein Ziel zu gelangen.
Wir müssen also unsere Spießigkeit ein wenig zügeln, denke ich.

Unser Plan: Sich anpassen und darauf einstellen, bei Ikea neue Möbel zu kaufen, wenn der Gastschüler zurückkommt. Denn sein Wesen hat sich natürlich nicht wesentlich geändert, wohl aber sein Geschmack und sein Alter.
 

Neue Mitglieder

  • iska-sprachreisen
  • Topha
  • Jensel
  • JUMP-OVERSEAS
  • Xplore

Neueste Kommentare