Der vierte Morgen in der Gastfamilie

Neuer Haarschnitt

Wenn man lange etwas vor sich herschiebt, kommt irgendwann der Moment, um es endlich zu tun. Dann kann man das Ereignis manchmal sogar celebrieren. Genau das haben wir getan, wir haben den Traum von Lena`s langen Haaren feierlich beerdigt!
Aber fangen wir von vorne an.

Manch ein Teenager quält seine Haare so lange, bis nichts mehr geht und jeder Friseur sich vor einer Katastrophe sieht. Wenn das Haar nicht gepflegt, jedoch wöchentlich gefärbt, gezupft, tupiert und geglättet wird, ist nicht mehr vier zu retten.
Die Gastfamilie und ich haben nun beschlossen, Lena zu einem Besuch in einem bekannten amerikanischen Friseursalon zu bewegen und ihr einen neuen und frischen Look zukommen zu lassen. Also Termin gemacht, und bald landeten wir in einem sehr gut riechenden und riesigen Salon. Nach kurzer Zeit kam unserer "Privatfriseur" und führte Lena zu einem Platz. Natürlich wurde vorher, wie immer in Amerika geküsst und sich gegenseitig bestätigt, dass es einem gut geht.

Im Salon:
Nun geht es los mit Lena, sie ist ein wenig aufgeregt, Nach einer ausführlichen Kopfbegutachtung und einer kleinen Rückenmassage erhält das Haar eine Kur. Für zehn Minuten sitzt Lena fest unter der Haube. Erst danach wird über eine Frisur beratschlagt. Es geht los, die Schere wird angesetzt und die Haare fallen. Eine Stunde lang sehen wir zu, wie Lena sich verändert, es ist spannend.
Das Ergebnis steht fest, alle sind begeistert. Es ist toll, thank you, Amerika bedeutet: Nutz die Chance, change your mind, when it is time for. Lena hat es getan.

Ihnen muss ganz klar sein, dass es in Amerika ein ungeschriebenes Gesetz gibt: Trage ein Lächeln im Gesicht. Natürlich kommt es einem etwas oberflächlich vor, wenn man an jedem Supermarkt, an der Tankstelle und in jedem Coffeeshop gefragt wird, wie es einem geht, dies evtl. mit der Nachfrage, ob es einem denn wirklich gut ginge. Aber es ist The American Way of Life, und Gäste halten sich besser daran. Und ehrlich gesagt, ich persönlich empfinde diese Offenheit und Problemlosigkeit meist als sehr angenehm. Das mag man finden, wie man möchte.

Übrigens habe ich keine Ahnung, was in der Welt los ist. Seit unserem Ankommen habe ich weder irgendwelche Nachrichten, noch Zeitungen gelesen. Aber es ist nicht wirklich schlimm, so kann man sich auch keine Gedanken machen.

Eltern sollten sich bewusst sein, dass Sohn oder Tochter sich ordentlich verändert haben. Johanna erscheint mir ziemlich überkandidelt und ausgeflippt. Es gehört allerdings dazu, es ist nochmal, sie hat die Kommunikation der Familie angenommen und ich erwische mich dabei, dies ebenfalls zu tun, nach nur wenigen Tagen. Es ist angenehm, nett und überkandidelt miteinander umzugehen, es hilft gegen Problemanhäufung. Und Probleme wollen wir nicht haben.  Amerikaner sind sehr höflich, so folgt nach jeder Frage oder Anmerkung ein "Thank you", ein "You`re wellcome" oder ähnliches.

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